Die Kirche lebt aus dem Wort des dreieinigen Gottes und seiner Verheißung. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist Teil der einen Kirche Jesu Christi. Sie erfüllt ihre Aufgaben in der Bindung an den Auftrag Jesu Christi zur Verkündigung des Evangeliums und in der darin begründeten Freiheit.

Grundlage der Verkündigung in der Landeskirche ist das in Jesus Christus offenbar gewordene Wort Gottes, wie es in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments gegeben, wie es in den Bekenntnisschriften der evangelisch- lutherischen Kirche maßgebend bezeugt und wie es aufs Neue in der Theolo- gischen Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen bekannt worden ist.
In Bindung an diese Grundlage gibt sich die Evangelisch-lutherische Landes- kirche Hannovers die folgende Verfassung.

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Präambel

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Erläuterungen zur Präambel

Die Präambel macht knapp grundsätzliche Aussagen zum theologischen Selbstverständ- nis der Landeskirche und dieser Verfassung, insbesondere zu ihren Bekenntnisgrundlagen als evangelisch-lutherische Kirche.

Absatz 1

Absatz 1 war in der bisher gültigen Verfassung deutlich knapper gefasst. Die Verfassung von 1965 hatte sich weitgehend darauf beschränkt, Rechte und Pflichten zu benennen und die kirchlichen Strukturen zu ordnen. Theologische Aussagen waren weitestgehend zurückgedrängt, weil die Verfassung streng zwischen der „Wortgewalt“ und der „Ord- nungsgewalt“ der Kirche (so der spätere Geistliche Vizepräsident Hans Philipp Meyer) unterschied und auch weil es im Vorfeld über theologische Fragen Kontroversen gegeben hatte.
In der Gegenwart erscheint es notwendig, auch die theologische Selbstbegründung der Kirche in einer Verfassung klarer zu benennen. In Grundsatzfragen kann heute von ei- nem weitgehenden Konsens in der Landeskirche ausgegangen werden. Außerdem können die theologischen Grundlagen der Kirche anders als in der Zeit nach dem Zweiten Welt- krieg nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden. Dabei hält der Verfassungsentwurf im Vergleich mit anderen, deutlich ausführlicheren neueren Kirchenverfassungen aber noch immer eine bewusst knappe Diktion bei und konzentriert sich auf wenige Kernaussagen.

Die ersten beiden Sätze der Präambel sind neu. Sie benennen zunächst grundlegend den Charakter der Kirche als Geschöpf des Wortes Gottes (creatura verbi). Dabei wird vor der Benennung von Pflichten bewusst der Charakter des göttlichen Wortes als Verheißung benannt, aus dem die Kirche lebt. Sie existiert nicht aus eigener Kraft, sondern weil der dreieinige Gott ihr zugesagt hat, durch die Kirche und durch Menschen zu wirken. Von dieser Verheißung her versteht sich die Landeskirche. Es liegt darin ein großes Potenzial der Ermutigung, auch in manchen Widerständen, die Kirche heute erfährt.

Diese Aussage gilt selbstverständlich für alle christlichen Kirchen. Darum leitet der zweite Satz bewusst über von der universalen Kirche Jesu Christi in dieser Welt zur konkreten Gestalt der Landeskirche, deren Verfassung es im Folgenden zu ordnen gilt. Diese Denk- figur begegnet in der Verfassung noch an einigen Stellen (z.B. Artikel 3 Absatz 1, Arti- kel 11 Absatz 1): Wo generelle theologische Aussagen gemacht werden, gelten sie für die Kirche Jesu Christi generell. Erst dann wird jeweils übergeleitet zu konkreten Aussagen über die Landeskirche, für die diese Verfassung mit ihren Bestimmungen gilt.

Der dritte Satz der Präambel war bisher der erste Satz der Verfassung und lautete: „Der Auftrag Jesu Christi zur Verkündigung des Evangeliums ist für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers verpflichtend.“ Er wurde verändert in Anlehnung an Artikel 2 Absatz 1 der Verfassung der Ev. Kirche in Mitteldeutschland (EKM), um wie in Satz 1 einen einladenden, am Evangelium orientierten Ton zum Ausdruck zu bringen. Dabei wird die Bindung an den Auftrag Jesu herausgestellt, so dass es keine inhaltliche Abschwä- chung oder Veränderung dieser Verpflichtung gegenüber der bestehenden Verfassung gibt. Nichts anderes als der Auftrag Jesu Christi zur Verkündigung des Evangeliums kann für eine Kirche maßgebend sein. Zugleich wird aber auch die im Evangelium begründete Freiheit benannt. Sie schließt sowohl die Freiheit von anderen Bindungen und Abhängig- keiten als die an Christus ein wie auch die Freiheit in der Gestaltung des Lebens und Dienstes der Kirche. Damit bestimmt sie auch den Geist dieser Verfassung und des Le- bens in der Landeskirche: Es muss rechtlich geregelt werden, was für einen zuverlässi- gen Dienst der Kirche notwendig ist (vgl. dazu unten Artikel 6). Zugleich geschieht das Leben der Kirche in evangelischer Freiheit. Die Polarität von Bindung und Freiheit folgt bewusst einer Grundüberzeugung lutherischer Theologie, wie sie grundlegend Martin Lu- ther in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) entfaltet hat.

Absatz 2

Absatz 2 ist weitgehend unverändert. Die Bindung an die Heilige Schrift und an die Be- kenntnisschriften der Evangelisch-lutherischen Kirche steht nicht zur Diskussion (siehe auch Artikel 6 Absatz 3). Die „Bekenntnisschriften“ meinen dabei die 1580 im Konkor- dienbuch veröffentlichten und zuletzt 2014 von Irene Dingel im Auftrag der EKD heraus- gegebenen Schriften der Alten Kirche und der Reformationszeit. Dabei ist unbenommen, dass innerhalb dieser Sammlung neben den altkirchlichen Bekenntnissen einzelne Schrif- ten, insbesondere das Augsburger Bekenntnis von 1530 und der Kleine und der Große Katechismus Luthers eine besondere Bedeutung für das Leben der Kirche besitzen. Die Frage nach der Bedeutung der Bekenntnisse für die konkrete Gestaltung des Lebens der Kirche bedarf immer wieder neu der Diskussion und bekenntnishermeneutischen Reflexion.

Neu ist der Bezug auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934. Die Landeskirche folgt damit der großen Mehrzahl der Landeskirchen im Bereich der EKD, die einen Bezug auf Barmen bereits in ihren Verfassungen oder Grundordnungen verankert haben. Weg- weisend dazu waren zuletzt eine Debatte im Vorfeld der Entstehung der Ev.-luth. Kirche in Norddeutschland und ihrer Verfassung sowie in jüngster Zeit ein längerer Diskussions- prozess in der Ev.-Luth. Kirche in Bayern. Auch die hannoversche Landessynode hat im Juni 2015 in der Evangelischen Akademie Loccum eine Tagung zur Barmer Theologischen Erklärung durchgeführt. Als Ergebnis kann insgesamt gelten, dass die Barmer Theologi- sche Erklärung als lutherisches Bekenntnis zu interpretieren ist. Darüber wurde gezeigt, dass die Erklärung nicht nur eine überragende zeitgeschichtliche Rolle während des Drit- ten Reiches spielte, sondern dass ihr eine bleibend normative Bedeutung zukommt, weil sie „unverzichtbare Klärungen … für die Lehre und das Leben der Kirche“ vornimmt im Widerstreit der Kirche gegen alle „säkularen, religionsförmigen Totalitarismen“ (Notger Slenczka, Die Vereinbarkeit der Barmer Theologischen Erklärung mit Grundüberzeugun- gen der Lutherischen Kirche und Theologie, in: Kerygma und Dogma 57 [2011], S. 346- 259). Damit hat die Barmer Theologische Erklärung hier eine bleibende, normsetzende Bedeutung. Zentrale Aussagen der Erklärung gelten heute als grundlegender Konsens im Blick auf das Verständnis der Kirche, etwa die Überzeugung, dass die Kirche „auch durch ihre Ordnung“ das Evangelium zu bezeugen hat (These III; siehe dazu auch die Erläute- rungen zu Artikel 6).

Aus diesem Grund soll die Barmer Theologische Erklärung unter die erweiterten Bekennt- nisgrundlagen der Landeskirche aufgenommen werden. Es wird nach Prüfung aller in den Gliedkirchen der EKD verwandten Formulierungen eine an die Präambel der Verfassung der Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) angelehnte Formulierung vorgeschlagen. Dabei ist die Erklärung nach dem Beschluss der Barmer Synode von 1934 im Sinne der Auslegung durch eine Rede von Hans Asmussen und unter deren Einschluss zu verstehen (www.ekd.de/glauben/grundlagen/einbringungsreferat_asmussens.html). Zu- gleich ist sie nicht den Bekenntnisschriften des 16. Jahrhunderts gleichgestellt. Diese bilden vielmehr den Interpretationsrahmen auch für die Erklärung. Um dieses deutlicher zu machen, wurde gegenüber der geltenden Verfassung im Satz über die Lutherischen Bekenntnisschriften das Wort „maßgebend“ hinzugefügt.

Absatz 3

In Absatz 3 der Präambel wurden vor allem die Worte „für ihre Ordnung“ gestrichen. Die- se Worte bezeichneten eine bewusste Selbsteinschränkung der Verfassung von 1965. Auch weiterhin regelt die Kirchenverfassung zwar vor allem die äußere Ordnung der Kir- che. Die neue Verfassung möchte jedoch auch neue Möglichkeiten für die Gestaltung des kirchlichen Lebens eröffnen, die über den Bereich der rechtlichen Ordnung hinausgehen. Und selbstverständlich spricht die Verfassung nur für die hannoversche Landeskirche. Deshalb sind diese Worte entfallen.


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4 Kommentare

  1. Wir begrüßen die Aufnahme der Barmer Theologischen Erklärung in den Rang einer Bekenntnisschrift. Wir fragen jedoch an, inwieweit die Gleichstellung aller anderen Bekenntnisschriften wie bspw. der Apol. CA und der Schmalkaldischen Artikel der heutigen Zeit enstprechend ist. Wir regen an, den Bekenntnisstand der Kirche im Zuge der Verfassungsreform zu überdenken. Insbesondere regen wir die Hervorhebung der Bedeutung der Heiligen Schrift gegenüber den Bekenntnisschriften an.

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  2. Lieber Horst; wie recht du hast!

    Der erste und der letzte Satz der Vorlage reichen aus!

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  3. Ich finde die Präambel durchaus verständlich. Der Rekurs auf die Bekenntnisschriften ist notwendig. Wer sich informieren möchte, kann im Wortteil des Evangelischen Gesangbuchs (808 und 810) nachsehen. Ein Hinweis darauf könnte hilfreich sein.

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  4. Schade, dass die Präambel bereits die erste Hürde für Gemeindeglieder und Nichtchristen ist. Sollte eine Präambel nicht verständlich, klar und einladend sein?

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