(1) Alle Mitglieder der Landeskirche haben Zugang zu Wort und Sakrament sowie zu Seelsorge und Amtshandlungen.

(2) Sie sind aufgerufen, mit ihren Gaben und Kräften das kirchliche Leben mitzugestalten, kirchliche Aufgaben zu übernehmen und sich an der Leitung der Kirche und an kirchlichen Wahlen zu beteiligen. In besonderer Weise wendet sich die Landeskirche an junge Menschen, um sie für eine Mitwirkung und Beteiligung zu gewinnen.

(3) Durch ihre Beiträge und Steuern tragen die Mitglieder der Landeskirche den Dienst der Kirche mit.

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Artikel 9

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Erläuterungen zu Artikel 9

Absatz 1

Absatz 1 nimmt in sprachlich modernisierter Form und unter Verzicht auf den juristischen Fachterminus „Anspruch“ eine bestehende Formulierung aus Artikel 9 Absatz 2 auf. Statt: „Anspruch auf geordnete Darbietung von Wort und Sakrament“ heißt es jetzt: „haben Zugang zu Wort und Sakrament sowie zu Seelsorge und Amtshandlungen“, um etwas differenzierter die wichtigsten Rechte und Teilnahmemöglichkeiten der Mitglieder zu benennen. Die Formulierung knüpft an Artikel 10 Absatz 2 der Verfassung der Nordkirche und Artikel 10 Absatz 2 der Verfassung der Ev.-Luth. Kirche in Bayern an.

Absatz 2

Absatz 2 versucht, unter den Bedingungen einer sich verändernden Volkskirche die Erwartungen an die Mitglieder der Kirche einladender und realistischer als die bisherige Verfassung („Sie haben die Pflicht, sich zu Wort und Sakrament zu halten, ein christliches Leben zu führen und an der Förderung christlichen Glaubens, kirchlicher Gemeinschaft und Sitte tätig mitzuwirken.“) zu formulieren, ohne den Charakter einer Erwartung an eine aktiv wahrgenommene Mitgliedschaft völlig aufzugeben. Dabei ist nicht mehr primär das individuelle Leben der Mitglieder im Blick, das sich rechtlichen Vorschriften ohnehin entzieht, sondern konkret die Erwartung und Ermutigung zur Beteiligung am gemeinsamen kirchlichen Leben.

Neu ist Satz 2, der erstmals junge Menschen ausdrücklich in der Verfassung erwähnt und die Verpflichtung formuliert, Jugendliche und junge Erwachsene zur aktiven Mitwirkung zu gewinnen. Der Verfassungsentwurf nimmt hier bewusst eine Anregung von Vertreterinnen und Vertretern der Landesjugendkammer auf, die angeregt hatte, die Verpflichtung der Landeskirche gegenüber der jungen Generation, diese an den Glauben heranzuführen und im Glauben sprachfähig zu machen, besonders auszudrücken. Wichtig war den Vertreterinnen und Vertreterinnen auch ein Hinweis auf die Beteiligungsmöglichkeiten und –rechte der jungen Generation.

Absatz 3

Absatz 3 benennt eine rechtlich klare Pflicht zur Zahlung von Beiträgen (z.B. Beiträge für die die Inanspruchnahme kirchlicher Kindertagesstätten) und Kirchensteuern, die entsprechend klar benannt wird.


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11 Kommentare

  1. (2) benennt besonders junge Menschen – dann könnte man viele andere Gruppen von Menschen auch nennen. Dass sie hier so hervorgehoben werden, ist nicht einsichtig.

  2. Art. 9 (2) „In besonderer Weise wendet sich die Landeskirche an junge Menschen, um sie für eine Mitwirkung und Beteiligung zu gewinnen.“ Als ausdrückliche Wertschätzung der jungen Generation ist das sympathisch, so wirkt sie in der Platzierung und Formulierung hier etwas zufällig und theologisch ausbaufähig:
    – der Kommentar, dass der Satz „auf Anregung von Vertreterinnen und Vertretern der Landesjugendkammer“ legt folgende Fragen nahe: Warum ausgerechnet diese Anregung? Wie wurde mit anderen Anregungen umgegangen? Was wäre geschehen, wenn diese Anregung nicht gekommen wäre?
    – Wenn spezielle Personen(-kreise) zu verstärkter aktiver Verantwortung und Mitarbeit in der Kirche eingeladen werden sollen, dann sollte diese Auswahl und Akzentuierung zumindest theologisch profiliert sein. Hier ließe sich gut an die gebotene auf „die Witwen, die Waisen und die Fremden“ – so im AT – oder an Jesu Umgang mit den gesundheitlichen und sozialen Außenseitern anknüpfen. Jedenfalls sollte solch eine besondere Hervorhebung einen Geist atmen, der die gesellschaftlichen und kirchlichen Ränder in die Mitte holt.
    – So schlage ich konkret vor, dass wenn neben „jungen Menschen“ zumindest auch „Menschen mit Behinderungen“ benannt werden. Das tue ich in meiner Funktion als Vertreter für Menschen mit Behinderungen. Es gibt aber auch das Vorbild des Lutherischen Weltbundes, der ÖRKs, wo diese Personengruppen bewusst in den Fokus gerückt werden. Es könnten auch weitere ‚Randgruppen‘ genannt werden, wie Aussiedler oder Migranten, Senioren oder Neugetaufte oder, oder. Wieviel tatsächlich für eine auf längere Halbwertszeit angelegte Verfassung sinnvoll ist, mögen die dazu Berufenen entscheiden. Wichtig ist der geistliche Impetus, dass Mitglieder vom Rand in die Mitte geholt werden bzw. sich die Mitte zum Rand bewegt als „Mission von den Rändern her“ (vgl. die Missionserklärung des ÖRK „Gemeinsam für das Leben – Mission und Evangelisation in sich wandelnden Kontexten. Eine neue Erklärung des ÖRK zu Mission und Evangelisation“)
    – Es wäre gut, in einem Artikel von den Rechten und Pflichten der Mitglieder nicht nur von der Landeskirche als (alleiniger) Akteurin zu sprechen, sondern wenn überhaupt von allen Ebenen der Kirche. Könnte hier nicht sprachlich und gedanklich zum Duktus des Artikels passend sogar besser formuliert werden: „Dazu sollen in besonderer Weise junge Menschen, Menschen mit Behinderung, Aussiedler, Migranten und Neugetaufte und, soweit unterrepräsentiert auch Frauen und Senioren ermutigt und stark gemacht werden.“?

    • Der Kommentar von Peter Borcholt zeigt die Problematik auf, die entsteht, wenn eine Menschengruppe besonders hervorgehoben wird: Es gibt zahlreiche andere Menschengruppen, die mit ähnlich guten Gründen auch genannt werden sollten. Eine Aufzählung, wie Herr Borcholt sie vorschlägt, würde allerdings die Gefahr bergen, dass eine Menschengruppe ungenannt bliebe und sich dann (mit Recht) ausgeschlossen fühlte. Deshalb sollte in der Verfassung der Satz „In besonderer Weise…“ gestrichen werden und stattdessen an anderer Stelle der Jugend (und allen anderen) attraktive Mitwirkungsmöglichkeiten geboten werden.

  3. Artikel 9, Absatz 2
    Die Zielgruppe der Jugendlichen (bis 27 Jahre nach dem KJHG) findet in dem Verfassungsentwurf eine besondere Erwähnung. Zweifellos ist diese Zielgruppe eine große Herausforderung für die kirchliche Arbeit. Es ist die Frage, was mit der Betonung auf sie in einer neuen Verfassung abgebildet werden soll.

  4. „[Die Mitglieder der Landeskirche] sind aufgerufen, mit ihren Gaben und Kräften das kirchliche Leben mitzugestalten, kirchliche Aufgaben zu übernehmen und sich an der Leitung der Kirche und an kirchlichen Wahlen zu beteiligen.“

    Wer dies von den Mitgliedern erwartet, muss ihnen auch die Möglichkeit dazu geben. Gestaltung und Leitung geschehen maßgeblich dadurch, dass die Möglichkeit besteht, Entscheidungen zu treffen. Dies ist den Mitgliedern der Landeskirche nur eingeschränkt möglich.
    – Wer kein kirchliches Amt innehat hat keine Entscheidungsbefugnis, denn es gibt keine Möglichkeit eines Mitgliederentscheides.
    – Die Amtsträger der Kirche werden in der Regel nicht durch die Mitglieder gewählt. Einzige Ausnahme sind die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher.

    Warum kann die demokratische Willensbildung, die im Blick auf den Staat theologisch gewollt ist, nicht auch in der Kirchenverfassung berücksichtigt werden?

    Warum werden Kreissynoden und die Landessynode nicht durch die Kirchenmitglieder gewählt?

    Eine auf diese Weise demokratisch legitimierte Landessynode sollte dann auch die Aufgabe haben, alle Leitungsämter durch Wahl zu besetzen.

  5. Die Erläuterungen zu Absatz 2 kann ich sehr gut nachvollziehen und unterstütze ich sehr. Allerdings hatte ich bei dem Satz „In besonderer Weise wendet sich die Landeskirche an junge Menschen, um sie für eine Mitwirkung und Beteiligung zu gewinnen.“ den Gedanken, dass es Wunschdenken ist: Kirche möchte junge Menschen im Gottesdienst u.s.w. haben, aber sich kaum (besonders was Raum und Gottesdienst angeht) ändern. Die jungen Menschen sollen doch kommen, dann merken sie schon, wie toll wir sind.
    Sehr provokativ ausgedrückt und sicherlich überspitzt; bestimmt wird an vielen Orten viel für Kinder und Jugend getan, aber dies war nun mal mein erster Gedanke.
    Außerdem ist die Frage, wo die Erwachsenen und SeniorInnen bleiben….

  6. 2) Sie sind aufgerufen, mit ihren Gaben und Kräften das kirchliche Leben mitzugestalten, kirchliche Aufgaben zu übernehmen und sich an der Leitung der Kirche und an kirchlichen Wahlen zu beteiligen. ** In besonderer Weise wendet sich die Landeskirche an junge Menschen, um sie für eine Mitwirkung und Beteiligung zu gewinnen.** Streichen, da dies zu eine Ausgrenzung anderer Mitglieder führt

    (3) Durch ihre Beiträge und Steuern tragen die Mitglieder der Landeskirche den Dienst der Kirche mit und haben im Gegenzug ein Anrecht auf die transparente Darstellung der verwendeten Ausgaben.

  7. Warum wendet sich die Landeskirche in besonderer Weise nur an junge Menschen? Die Absicht ist schon klar, aber der Bedarf kann sich ändern. Es sollte doch lieber die Mitwirkung und Beteiligung von Mitgliedern aus allen Bereichen der Landeskirche in besonderer Weise angestrebt werden.

    • Ich stimme Ihnen zu. Besonders Jugendliche fördern zu wollen, gehört bereits zur Ausgestaltung, gehört aber nicht in die Verfassung hinein. Mit gleichem Recht könnte man fordern, Menschen nach dem Eintritt in den Ruhestand stärker einzubeziehen, denn da gibt es auch Potential.

  8. Dass sich die Kirche an Jugendliche wendet, (nur) um sie für eine Mitwirkung und Beteiligung zu gewinnen, klingt ein bisschen einseitig. Die Anregung der Landesjugendkammer (an den Glauben heranführen und sprachfähig machen) ist in meinen Ohren dadurch nicht so ganz wiedergegeben.

  9. Heißt das, dass Kinder grundsätzlich voll am Abendmahl teinehmen können? Denn entweder sind sie gemäß Artikel 8 getauft und damit Mitglied oder haben gemäß Artikel 7 die gleichen Rechte.