(1) Als evangelisch-lutherische Kirche ist die Landeskirche mit den evangelisch-lutherischen Kirchen in aller Welt verbunden. Sie ist Gliedkirche der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und Mitglied des Lutherischen Weltbundes.

(2) Die Landeskirche steht in der Gemeinschaft der lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen in Deutschland. Sie ist Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland.

(3) Die Landeskirche arbeitet mit den anderen Kirchen in der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen partnerschaftlich zusammen. Sie ist bestrebt, diese Zusammenarbeit so zu gestalten, dass ein Zusammenwachsen zu einer evangelischen Kirche in Niedersachsen möglich bleibt.

(4) Auf der Basis der Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa (Leuenberger Konkordie) gehört die Landeskirche der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) an.

(5) Die Landeskirche setzt sich dafür ein, die ökumenische Gemeinschaft der Christenheit zu stärken. Sie beteiligt sich an der Zusammenarbeit der christlichen Kirchen in Deutschland, in Europa und in aller Welt. Sie ist Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen.

(6) Die Landeskirche ist durch Gottes Wort und Verheißung mit dem jüdischen Volk verbunden. Sie achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen. Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie fördert die Begegnung mit Juden und Judentum.

(7) Die Landeskirche sucht die Begegnung und den Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen. Dabei strebt sie kritische Auseinandersetzung, interreligiöse Verständigung und gemeinsame Verantwortung für das Zusammenleben der Menschen an.

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Erläuterungen zu Artikel 4

Dieser Artikel enthält wie in der bestehenden Verfassung grundsätzliche Aussagen zur Zusammenarbeit der Landeskirche mit anderen Kirchen und Religionen. Er wurde behutsam erweitert, u.a. um Formen ökumenischer Zusammenarbeit, die im Jahr 1965 noch nicht bestanden.

Absatz 1

Absatz 1 stellt die Einbindung unserer Landeskirche als lutherischer Kirche in die VELKD und den Lutherischen Weltbund fest. Bis auf leichte sprachliche Veränderungen blieb er unverändert.

Absatz 2

Absatz 2 benennt unverändert die Zugehörigkeit zur EKD. Während die Verfassung von 1965 offener von der „bestehenden Gemeinschaft in der deutschen evangelischen Christenheit“ sprach, wird jetzt – auch auf der Basis der Leuenberger Konkordie von 1973, die die Kirchengemeinschaft zwischen reformierten und lutherischen Kirchen erklärte – die „Gemeinschaft der lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen in Deutschland“ herausgestellt. Diese Formulierung entspricht der Formulierung in Artikel 1 Absatz 1 der Grundordnung der EKD.

Absatz 3

Absatz 3 ist neu. Die Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen in der 1971 entstandenen Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen kann in der Verfassung nicht fehlen, wenn die verschiedenen Formen der Kooperation mit anderen Kirchen benannt werden. Der Konföderation gehören die hannoverschen Landeskirche, die Evangelisch-lutherische Landeskirchen in Braunschweig, die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg und die Evangelische-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche an. Der Absatz greift ausschließlich auf Formulierungen aus der Präambel des neuen, im Jahr 2014 von den fünf Mitgliedskirchen unterzeichneten Konföderationsvertrages zurück. Das gilt auch für die Zielbestimmung, „diese Zusammenarbeit so zu gestalten, dass ein Zusammenwachsen zu einer Evangelischen Kirche in Niedersachsen möglich bleibt.“

Absatz 4

Auch Absatz 4 ist neu, da die Leuenberger Konkordie erst acht Jahre nach Inkrafttreten der jetzigen Verfassung unterzeichnet wurde. Auf ihrer Basis gehört die Landeskirche zur GEKE und steht damit gegenwärtig mit 94 lutherischen, methodistischen, reformierten und unierten Kirchen aus über dreißig Ländern Europas und Südamerikas in voller Kirchengemeinschaft.

Absatz 5

Absatz 5 benennt wie bisher die ökumenische Verpflichtung der Landeskirche. Wie in der bisherigen Verfassung wird die Einbindung in die bestehende Zusammenarbeit der Kirchen und in den ÖRK genannt, also die aktive Mitwirkung in den verschiedenen ökumenischen Begegnungsforen und Gemeinschaften, z.B. in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) oder regelmäßigen evangelisch-katholischen Begegnungen. Darüber hinaus wird jetzt verstärkt die Verpflichtung der Landeskirche benannt, aktiv „die ökumenische Gemeinschaft der Christenheit zu stärken.“ Diese Verstärkung des ökumenischen Gedankens trägt der gewachsen Bedeutung der Ökumene Rechnung, die für die Landeskirche eine unverzichtbare und wertvolle Rolle spielt. Gegenwart und Zukunft der Kirche können heute nicht anders als ökumenisch gedacht werden.

Absatz 6

Absatz 6 übernimmt die Formulierungen in Artikel 4 Absatz 4 der bisherigen Verfassung, der im Jahr 2013 nach sorgfältiger Diskussion zum Thema „Christen und Juden“ in das Verfassungsrecht der Landeskirche aufgenommen wurde (s.o. zu Artikel 1 Absatz 2 Satz 2). Zentraler Gedanke ist dabei das Bekenntnis zur bleibenden Erwählung des jüdischen Volkes.

Schon 2013 wurde eine noch klarere Stellungnahme zum Thema „Judenmission“ diskutiert und von Vertretern des Judentums angemahnt. Damals hatte die Landessynode den Gedanken in den gefundenen Formulierungen als implizit geklärt angesehen und eine längere Fassung der Vorschrift als mit dem damaligen Duktus der Verfassung nicht für vereinbar gehalten. Nunmehr – so der Vorschlag – wird der Absatz von 2013 erweitert unter ausdrücklichem Rückgriff auf den Beschluss der Synode der EKD vom 9.11.2016 zu „Christen und Juden als Zeugen der Treue Gottes“. In dieser Erklärung heißt es: „Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in die Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“ Die in der bisherigen Verfassung enthaltene Formulierung zum jüdischen Volk: Die Landeskirche „achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes“ wird deshalb erweitert um den Satzteil: „und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen.“

Absatz 7

Absatz 7 ist neu. Unter den Bedingungen der Gegenwart mit einer stark gewachsenen religiösen und weltanschaulichen Pluralität gehören „Begegnung und Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen“ jedoch zu den zentralen Aufgaben der Kirche und müssen daher benannt werden. Der Verfassungsentwurf belässt es allerdings bei der generellen Verpflichtung und einer sehr verknappten dreifachen Zielbestimmung.

 Auf jeden Fall muss es ein Ziel des interreligiösen Dialogs sein, die gemeinsame Weltverantwortung der Religionen für ein friedliches und gerechtes Miteinander der Menschen zu fördern und anzumahnen. Dies wird hier mit der knappen Formulierung „gemeinsame Verantwortung für das Zusammenleben der Menschen“ zum Ausdruck gebracht, wobei vorausgesetzt ist, dass es sich um ein Zusammenleben im Sinne der im folgenden Artikel 5 näher ausgeführten Werte und Grundüberzeugungen handelt. Es muss Ziel des Dialoges sein, dass sich die Religionen und Weltanschauungen gemeinsam für die Beachtung der Menschenrechte und für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

Der interreligiöse Dialog erschöpft sich aber nicht in der gemeinsamen Weltverantwortung. Menschen verschiedener Religion begegnen sich auch um ihrer selbst willen, etwa wenn sie sich besuchen oder zu Festen gegenseitig einladen. Die ersten beiden im Entwurf genannten Ziele benennen daher zwei notwendige Pole des interreligiösen Dialogs: kritische Auseinandersetzung (dieser Aspekt darf im Blick auf problematische Positionen und vielfältigen Missbrauch von Religion nicht fehlen) und – wo möglich – interreligiöse Verständigung. Dabei geht es nicht darum, die Religionen einander anzugleichen, sondern zuallererst Begegnung zu fördern, die Kenntnis voneinander zu vertiefen und Differenzen wie Übereinstimmungen auszuloten. Auf dieser Basis kann es auch zu gemeinsamem Handeln kommen, wobei multireligiöse Feiern (bei denen nicht gemeinsam gebetet wird, sondern die verschiedenen Religionen mit Respekt beim Gebet der anderen anwesend sind) nur eine Form sind.


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36 Kommentare

  1. In Art. 4 Abs. 6 wird zu Recht auf das besondere Verhältnis der Landeskirche zum Judentum eingegangen. Wir begrüßen v. a. die Förderung der Begegnung mit Juden und Judentum.

    Hingegen halten wir Abs. 6 S. 2 für problematisch. Auch die Erläuterungen zum Entwurf der Kirchenverfassung sorgen nicht für ausreichende Klarheit. Angedeutet ist, dass nicht bloß die Juden, sondern auch die Christen Volk und Zeugen Gottes sind. Dies wird im Verfassungsentwurf nicht klar. Abs. 6 S. 2 Hs. 1 sollte eine Formulierung erhalten, die verdeutlicht, dass das Judentum in puncto Volk und Zeugen Gottes nicht über, sondern neben dem Christentum steht.

    Die neue Formulierung des Abs. 6 S. 2 Hs. 2, die die Missionierung von Juden ablehnt, ist praktisch kaum durchsetzbar. Orientiert ist diese Idee wohl an einer Art „Haustürmissionierung“. Praktisch besteht unsere Missionsarbeit doch aber eher darin, im Rahmen einer gelebten Kirche den Menschen ein Vorbild zu sein. Dabei können wir uns gar nicht auf bestimmte Gruppen beschränken.

    Ein Beispiel: Als Ev. Jugend veranstalten wir Sommerfreizeiten, die für Jugendliche jedweder religiösen Orientierung offen sind. Diese Freizeiten sind für viele ein Grund, sich selbst in der Ev. Jugend zu engagieren. Die gelebte christliche Gemeinschaft auf der Freizeit ist also ein Teil Missionsarbeit. Was sollen wir nun tun, wenn ein jüdischer Jugendlicher mitfahren möchte? Sollen wir ihn von den Andachten ausschließen? Oder von der ganzen Freizeit?

    Das ist offensichtlich widersinnig. Auch wenn der Verzicht auf die Missionierung von Juden als Ausdruck des Respekts gut gemeint ist, so geht er doch an der Lebenswirklichkeit vorbei. Abs. 6 S. 2 Hs. 2 sollte gestrichen werden.

  2. Dass eine Vielzahl von Kommentaren zu dem Artikel 4, Abs. 6 eingegangen ist, erklärt sich nicht mit einer erforderlichen Erläuterung des bisherigen Wortlauts, sondern damit, dass die vorgesehene Erweiterung höchst fragwürdig ist und darum auf Kritik stößt. Und das m.E. zu Recht.
    Die Verhältnisbestimmung der Kirche zum Judentum wurde erst 2013 intensiv diskutiert, beraten und in die Verfassung aufgenommen. Auch damals stand die Frage einer expliziten Ablehnung der Judenmission im Raum. Die Verantwortlichen haben sich dagegen entschieden, weil die Verfassung schon durch den Artikel 1, Abs. 3 dazu gebührend Stellung nimmt. Dieser Passus wird von vielen übersehen. Dort heißt es bereits: „Mission und Dienst erfolgen … im Zeichen der Treue Gottes zum jüdischen Volk.“ Diese Aussage wurde ebenfalls 2013 neu aufgenommen. Sie ist in der Sache eindeutig und macht die vorgesehene Übernahme aus der EKD-Erklärung obsolet.
    Außerdem war den Verantwortlichen seinerzeit daran gelegen, zu möglichst positiven Formulierungen zu gelangen. Das war mit den bisherigen Formulierungen (aus Art. 1 und Art. 4) gegeben. Man sieht daran: Man kann nicht ohne weiteres eine Formulierung aus der einen Verlautbarung (EKD-Text) in die andere übernehmen.
    Außerdem fragt man sich: Wie kann es sein, dass eine Aussage, die erst 2013 gefunden und in die Verfassung aufgenommen wurde, jetzt einer Änderung bedarf? Manche beabsichtigen vielleicht, damit ein Zeichen gegenüber dem Judentum zu setzen. Das ist berechtigt – dazu ist aber die Verfassung nicht der richtige Ort. Sie muss theologisch sauber (das ist sie, wie die Kommentatoren zuvor gezeigt haben, mit der EKD-Formulierung nicht mehr) und sachlich stringent sein.

  3. Abs. 7 fehlt mir den Hinweis, dass die Kirche dabei der Wahrheit des Evangeliums verpflichtet ist.

  4. „…und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen…“: „Religionswechsel“ ist ein unscharfer Begriff. Eindeutig markiert ist Christwerden durch das Sakrament der Taufe. Es wäre daran zu erinnern, dass in manchen Ländern / Gesellschaften / Religionen / Kulturen das Todesurteil für Konvertiten zum Christentum feststeht, wenn sie sich taufen lassen. „Lehren, lernen“ (auch Matth. 28,19f) geht ja noch, ist ein offener Prozess, aber Taufe ist eindeutig, einmalig und irreversibel. Wechsel hin zu einer anderen Religion als dem Christentum kann ja wohl kaum gemeint sein.

    Die Notwendigkeit, dies explizit zu erwähnen, resultiert aus der besonderen jüdisch-christlichen Geschichte mit ihrer Enterbungs- bzw. Substitutionstheologie, der zufolge Juden und Judentum unbedingt missioniert zu werden hatten, und allen schrecklichen Folgen. Der Satz ist mehr als eine operationale Absichtserklärung. Er hat theologische Implikationen, markiert Kehrtwende gegenüber und Zuwendung zu der uns am nächsten stehenden Religion, gehört deswegen in die grundlegenden Aussagen der Verfassung.

    Sicher muss präziser beschrieben werden, wie „missionarisches Zeugnis“ gegenwärtig verstanden wird. Manche verstehen unter „Mission“ immer noch Druck, Zwang, aus heilsgeschichtlich (am Ende gar dispensationalistisch) begründeter Notwendigkeit. Davon kann ernsthaft nirgends mehr die Rede sein. Ein zeitgemäßes Missionsverständnis (Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt, http://missionrespekt.de/fix/files/christliche-zeugnis-%F6rk.pdf) arbeitet mit dem Begriff des Zeugnisses als einem Reden vom Glauben und im Glauben in Augenhöhe, das den Gesprächspartner / die Gesprächspartnerin respektiert und Gottes Geist alle Folgen überlässt.

    Natürlich kann es dann vorkommen, dass aufgrund einer länger gewachsenen Beziehung mit gegenseitigem Lernen eine Konversion erwogen wird. Die kann aber in beiden Richtungen geschehen! Der Geschichte des Zentralvereins ist zu entnehmen, dass es selten zu Konversionen gekommen ist – wieder: in beide Richtungen! -, dass aber auf jeden Fall ein tiefes gegenseitiges Verstehen wuchs, beide Seiten intensiv voneinander lernten und auch gemeinsam ins antisemitische Kreuzfeuer gerieten.

  5. Zu Absatz 7: „gemeinsame Verantwortung für das Zusammenleben der Menschen“ – in den Erläuterungen wird hier der Bezug auch zur Bewahrung des Schöpfung genannt, ich finde, das gehört mit den Absatz, die gemeinsame Verantwortung von Religionen und Weltanschauungen zielt darauf, die Erde ingsesamt zu schützen, um Leben weiterhin möglich werden zu lassen, keineswegs nur menschliches Leben.

  6. Ich habe den §4, Abs.6 mit Yuval Lapide (dem Sohn des sehr bekannt gewordenen Pinchas Lapide) diskutiert, um eine jüdische Stimme zu hören. Herr Lapide befürwortet ebenfalls die Ergänzung der „Taufe“, schlägt jedoch im Gesetzestext eine Kombinatin beider Begriffe vor. Der Satz würde dann heißen: „(…)und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden und Jüdinnen zum Religionswechsel und zur Taufe zu bewegen.“

  7. Art. 4 (6): Der Zusatz „und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen“ bringt m.E. eher Verlegenheiten, als er klärt und hilft. So gefasst suggeriert er, dass es Lebensbereiche (hier die Begegnung mit Juden) geben könne, in denen das Zeugnis von Christus für unser Glauben und Handeln vermeidbar wäre oder ausgeschlossen werden dürfe. Dieses Zeugnis birgt aber, selbst wenn es in nur dialogischer Absicht geschieht, das Risiko – „ubi et quando visum est Deo“ – dass jemand aus Überzeugung Christ werden will. Und dieses Risiko gehört immer zum Dialog.
    Wie wäre dann, wenn man den Zusatz aufnähme, mit dem Taufbegehren von jemandem, der dem jüdischen Volk angehört, umzugehen? Wäre dann ein gesondertes, strenges und als solches nachzuweisendes Taufexamen notwendig? Oder gar: Wäre eine solche Taufe aller Religions- und evangelischen Gewissensfreiheit zum Trotz zu verbieten? Und würde der, der dieses Begehren nicht zurückweist, sich vergleichbar einer Wiedertaufe schuldig machen? Der Verfassungsentwurf spricht zwar nur vorsichtig (und unklar) von abzulehnenden „Bemühungen“, aber dies kann im Zweifelsfall weiter oder enger ausgelegt werden.
    Was zum in der Tat wichtigen Verhältnis zum Judentum sowohl grundsätzlich als auch vor dem Hintergrund unserer deutschen Geschichte zu sagen ist, hat die bisherige Verfassung auch ohne diesen Zusatz in guter und ausreichender Weise formuliert. Antisemitismus und Antijudaismus schließt sie klar und deutlich aus – soweit und so gut das eine hohe Verfassung eben kann. Die eigentliche Auseinandersetzung und hoffentlich Überwindung von Antisemitismus und Antijudaismus gehört zu den Mühen der Ebene in Gottesdiensten, Gesprächen und Diskussionen vor Ort.

  8. Fachbereich Kirche im Dialog im Haus kirchlicher Dienste, Arbeitsfeld Kirche und Judentum – Kommentar und Vorschläge zum Artikel 4, Abschnitt 6 des neuen Verfassungsentwurfs

    Der Entwurf zur neuen Kirchenverfassung sieht in Artikel 4 Beziehungen zu anderen Kirchen und Religionen vor, im Abschnitt 6 den Satz: „Sie achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes“ „und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen“ hinzuzufügen. Die Intention dieses Zusatzes ist begrüßenswert, hat sie doch den Zweck christlicher Mission unter Juden eine eindeutige Absage zu erteilen.

    Dieser Zusatz stammt aus der Kundgebung „… der Treue hält ewiglich“ (Psalm 146,6) der EKD-Synode 2016. Der Text der EKD Kundgebung erteilt missionarischen Bemühungen, Juden zum Glauben an Jesus Christus zu bewegen, eine eindeutige Absage. Der Ausdruck „Religionswechsel“ ist jedoch unglücklich gewählt, denn er lässt eine Tür offen für Aktivitäten „messianischer Juden“, die aktiv Mission betreiben, es aber von sich weisen würden, für einen „Religionswechsel“ zu werben. Soll diese Möglichkeit ausgeschlossen werden, ist es notwendig davon zu sprechen, „lehnt Bemühungen ab, Juden zur Taufe zu bewegen.“

    Darüber hinaus ist eine weitere Ergänzung im selben Abschnitt wünschenswert: Eine klare Absage an jegliche Form von Judenfeindschaft.

    Der im Auftrag der Bundesregierung erstellte Bericht zum Antisemitismus zeigt, dass es nach wie vor einen latenten Antisemitismus in der Bevölkerung von ca. 20% gibt. Judenfeindschaft begleitet die Kirche seit den frühen Tagen ihrer Existenz. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte unserer Kirche.
    Darum schlägt das Arbeitsfeld Kirche und Judentum vor, den letzten Satz im Artikel 4, Abschnitt 6: „Sie (die Kirche) fördert die Begegnung mit Juden und Judentum“ folgendermaßen zu ergänzen „und sie tritt jeder Form von Judenfeindschaft entgegen.“

    In seiner Rede zur Änderung der Verfassung während der Landessynode am 28. November 2013 forderte Bischof Ralf Meister, „in unserer Gesellschaft, in unserer Landeskirche, in dieser Welt gegen jede Form des Antisemitismus aufzustehen, jeden Antijudaismus theologisch zu widerlegen und gegen alle Kräfte, die in unserer Gesellschaft Jüdinnen und Juden oder die jüdische Geschichte diskreditieren, zu kämpfen.“ Er brachte seine Erwartung zum Ausdruck, dass die Verfassungsänderung von 2013 „ein anderes Zuhören, ein anderes Reden, eine andere Besonnenheit in der Verkündigung und ein mutiges kritisches Handeln gegen jede Form der Judenfeindschaft in unserem Land“ bedeute.

    • Die Ablehnung geistlichen Dialogs mit Jüdinnen und Juden mit der Option, dass letztere Jesus als Messias entdecken und anerkennen (und sich taufen lassen), mutet seltsam an. Die theologische Begründung leuchtet biblisch in keiner Weise ein. Die ersten christlichen Gemeinden waren judenchristlich und haben sich taufen lassen, später auch durch Heidenchristen in der Diaspora. Damit waren sie Christen, blieben jedoch zugleich Juden, also Judenchristen. Warum sollte das „Gehet hin in alle Welt …“ ein Volk ausgrenzen, noch dazu das Volk, zu dem der Mensch Jesus gehörte? Und wie können Mission und Antisemitismus überhaupt in Zusammenhang gestellt werden? Sie haben nichts miteinander zu tun.
      Mir scheint hinter dieser Einstellung ein generelles längst überholtes Missionsverständnis zu stehen. Oder haben wir die Sendung, die Jesus uns aufgetragen hat, grundsätzlich ad acta gelegt und beschränken uns auf die Verwaltung des schwindenden Kirchenmitgliederrests?
      Es versteht sich von selbst, dass Sendung im Namen Jesu, das Evangelium zu verbreiten, nur aus Liebe, respektvoll und auf Augenhöhe geschehen darf – egal, welchem Volk gegenüber.

  9. Kommentar Fachbereich Kirche im Dialog, Haus kirchlicher Dienste, zu Art. 4, Abs. 7:

    Den ersten Satz von Absatz 7, Artikel 4 unterstützen wir in vollem Umfang.
    Der zweite Satz nennt die „kritische Auseinandersetzung“ als erstes und demnach wichtigstes Ziel des interreligiösen Dialogs. Diese Formulierung ist unseres Erachtens aus folgenden Gründen nicht angemessen:

    1) Sie klingt so, als wolle sich die Landeskirche zuerst und vor allem von den anderen Religionen abgrenzen und sie kritisch beurteilen. In der Außenwahrnehmung wird dieser Satz von vielen als Distanzierung vom interreligiösen Dialog wahrgenommen werden. Nicht wenige Religionsgemeinschaften werden den Text als Affront auffassen.
    2) Die Formulierung entspricht nicht der Praxis des interreligiösen Dialogs, wie er von und in der Landeskirche seit vielen Jahren geführt wird. Wenn eine Kirchengemeinde Kontakt aufnimmt zu einer Synagoge, einer Moschee, einem Cem-Haus, einem Hindutempel, einem buddhistischen Zentrum oder zu Jesiden und Bahai, dann geht es dabei nicht in erster Linie um eine kritische Auseinandersetzung mit den Vertreterinnen und Vertretern der anderen Religion, sondern stets und zuallererst um das Kennenlernen, die Herstellung von Kontakten, Beziehungen usw. Ebenso verhält es sich bei offiziellen Treffen und Stellungnahmen der Landeskirche und des Landesbischofs. Auch hier stehen die Pflege der Beziehung und das stete Bemühen um Verständigung im Zentrum.
    3) Es steht außer Frage, dass der interreligiöse Dialog nicht ohne kritische Auseinander-setzung auskommt. Formen der Religion, die ihre Anhänger geistlich oder finanziell ausnutzen oder die zur Gewalt aufrufen, müssen deutlich kritisiert werden, und sie werden es seit vielen Jahren.
    Es stellt sich allerdings die Frage, ob es angemessen ist, diese Selbstverständlichkeit in der Verfassung der Landeskirche eigens zu erwähnen, noch dazu an erster Stelle. Sieht man den Verfassungsentwurf in seiner Gänze durch, so fällt auf, dass an keiner anderen Stelle von „Kritik“ und „Auseinandersetzung“ die Rede ist. In allen übrigen Artikeln konzentriert sich der Text darauf, die landeskirchlichen Grundlagen positiv zu beschreiben.1)

    Wir schlagen daher für Artikel 4,7 folgenden Text vor:
    Die Landeskirche sucht die Begegnung und den Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen. Sie strebt interreligiöse Verständigung und gemeinsame Verantwortung für das Zusammenleben der Menschen an.

    Will man auf das Stichwort „kritische Auseinandersetzung“ nicht gänzlich verzichten, sollte es in den Erläuterungen zur Verfassung aufgegriffen werden.
    ——————————————————–
    1) Im unmittelbar anschließenden Artikel 5 etwa heißt es: „Für die Landeskirche ist eine staatliche Ordnung notwendige Voraussetzung für ein friedliches, gerechtes und die Schöpfung bewahrendes Zusammenleben in einer offenen und solidarischen Gesellschaft.“ Auf eine Erwähnung der damit verbundenen kritischen Auseinandersetzung mit politischem Extremismus, Umweltverschmutzung usw. wird verzichtet.

    • Anstatt in Absatz 6 „Religionswechsel“ zu sagen, wäre hier eindeutiger mit „Taufe“ formuliert: „Sie… lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zur Taufe zu bewegen.“ Denn Jesus spricht im Taufbefehl von den , zu denen die Jünger gehen sollen und nicht von Juden. Juden gehören bereits zu GOTT und bedürfen deshalb nicht der Taufe.

  10. Der Kirchenkreis Bremerhaven schlägt vor, Absatz 3 um die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der BEK zu erweitern, da wir im „Land Bremen“ auf diese Zusammenarbeit angewiesen sind. Zudem gibt es auch vielfältige Formen guter Zusammenarbeit in Ausbildung, Konfirmandenarbeit usw..
    Deshalb schlagen wir folgende Änderung vor:
    (3) Die Landeskirche arbeitet mit den anderen Kirchen in der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen
    „und mit der Bremisch Evangelischen Kirche“ (einfügen)
    partnerschaftlich zusammen. Sie ist bestrebt,
    „die“ (statt diese“)
    Zusammenarbeit
    „in der Konföderation“ (einfügen)
    so zu gestalten, dass ein Zusammenwachsen zu einer evangelischen Kirche in Niedersachsen möglich bleibt.

  11. Die Erwähnung der Besterbungen zum „Zusammenwachsen zu einer evangelischen Kirche in Niedersachsenevangelischen Kirche in Niedersachsen“ in Abs. 3 finde ich eigenartig. Dieser kirchenpolitische Vorsatz gehört für mich nicht hier hinein.

  12. Ich begrüße den Zusatz „und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen“ aus folgenden Gründen:
    1. Wer sich zu der bleibenden Erwählung des jüdischen Volkes bekennt, kann es nicht nur bei einer verklausulierten Andeutung belassen, dass die Landeskirche judenmissionarische Bestrebungen nicht gutheißt. Es braucht ein klares Bekenntnis mit deutlichen Worten: Wir achten die bleibende Erwählung des jüdischen Volkes – deshalb keine Judenmission!
    2. Der Missionsbefehl ist unheilvoll belastet von 2000 Jahren christlicher Judenfeindschaft. Im Gehet und Machet, Tauft und Lehrt tönt es in meinen Ohren unüberhörbar mit: das Wegsehen und Mitmachen, die Demütigungen und Verleumdungen, das Schreien in den Pogromen und der Schrecken der Schoa. Heute, erst zwei Generationen nach der versuchten Auslöschung des jüdischen Volkes in Europa, muss dieses theologische Geschichtsbewusstsein in klaren Worten in unserer Kirchenverfassung zum Ausdruck kommen. Alles andere wäre sentimental und geschichtsvergessen.

  13. Ich spreche mich auch gegen die Hinzufügung des Satzteils „lehnt deshalb … zu bewegen“ aus. Zum einen konterkariert sie den in der Präambel enthaltenen Rekurs auf den Auftrag Jesu Christi, der ja wohl die Bezeugung des Evangeliums an alle Völker enthält. Zum anderen bleiben die Jüdinnen und Juden im Regen stehen, die nun auf ihren Wunsch hin auf den Namen Jesu getauft werden wollen. Selten kommt ein solcher Entschluss allein aus eigenem Antrieb zustande, sondern in den meisten Fällen spielen auch Gespräche mit Christinnen und Christen dabei eine Rolle. Sollen die unter Generalverdacht gestellt werden und muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich von einem jüdischen Mitbürger in diese Richtung gefragt werde? Dieser Satzteil schafft einen Rattenschwanz an Seltsamkeiten. Die bisherige Formulierung der Beziehung zum jüdischen Volk reicht völlig aus.

    • Wenn der bisherige Artikel auch ohne den Zusatz „lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen“ so eindeutig zu verstehen ist, wie die bisherige Mehrheit der Kommentare behauptet, dann stellt sich die Frage: warum erhebt sich dann so viel Widerstand dagegen, zu erläutern, was der Satz: Die Landeskirche „achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes“ in der Praxis bedeutet?
      Anscheinend ist dieser Satz dann doch nicht so eindeutig!

      • Um den Absatz 6 noch weiter zu präzisieren, könnte ausserdem ergänzt werden, dass die Landeskirche jeder Form von Judenfeindschaft entgegen tritt (wie dies Bischof Meister u.a. gefordert hat).
        Dann könnte der Absatz z.B. lauten:
        „Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Jüdinnen und Juden sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie tritt jeder Form von Judenfeindschaft entgegen und fördert die Begegnung mit Jüdinnen, Juden und jüdischer Tradition.“

  14. Die Erweiterung des Artikels gegenüber der früheren Version ist unnötig und wenig hilfreich. Geschichtsbewußtsein und theologisches Denken in Bezug auf das Volk Gottes waren auch in der bisherigen Version hinreichend bedacht und theologisch gut begründet.

  15. Mission unter Juden/ Juden zur Taufe zu ermuntern/ Juden zum Religionswechsel zu bewegen ist nicht unsere Aufgabe. Jeder Form von Judenfeindschaft ist entschieden entgegenzutreten.

    • „Die Gemeinsamkeit des Zeugnisses vor dem Gott Israels und das Bekenntnis zum souvränen Erwählungshandeln dieses Einen Gottes ist ein gewichtiges Argument dafür, dass sich die Kirchen jeglicher gezielt auf die Bekehrung von Juden zum Christentum gerichteten Aktivitäten enthalten.“ So formulierte die Leuenberger Gemeinschaft / Geke.
      Hinter diese Einsicht sollte auch die Hannoversche Landeskirche nicht zurückfallen.
      „Judenmission ist eine Aufforderung an einzelne Juden, ihre Gemeinschaft, ihre Würde, die heilige Geschichte ihres Volkes zu verraten. Nur sehr wenige Christen scheinen zu verstehen, was moralisch und geistlich auf dem Spiel steht, wenn sie solche Aktivitäten unterstützten. Wir sind Juden, wie wir Menschen sind. Die Alternative zu unserer Existenz als Juden ist geistlicher Selbstmord, Auslöschung.“ Abraham Joshua Heschel.

  16. Auch ich halte den Zusatz „lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen“ für überflüssig. Sie unterstellt ein unzeitgemäßes Missionsverständnis. Zudem haben wir kein Recht, das „Gehet hin in alle Welt …“ verfassungsgemäß einzuschränken. Es versteht sich von selbst, dass das Gespräch mit Juden in besonders sensibler Weise geführt werden muss. Außerdem bleibt ein Jude / eine Jüdin vor Gott Jude / Jüdin, selbst wenn er / sie sich taufen lässt.

  17. Es ist richtig, dass die Landeskirche keine Institution sein darf, die gezielte Missionierung unter Jüdinnen und Juden betreibt. Gerade „angesichts der christlich-jüdischen Unheilsgeschichte“ (M.Wohlgemuth) sollte die Kirche für Jüdinnen und Juden eine Partnerin auf Augenhöhe sein, damit sich gegenseitiges Vertrauen entwickeln kann. Die gezielte Absicht einer Missionierung, die aus Sicht von Jüdinnen und Juden deren eigene Identität in Frage stellt und gefährdet, ist keine vertrauensbildende Maßnahme.
    Darum ist es ein wichtiges Zeichen (auch zur Stärkung der eigenen Identität) nach außen wie innen, wenn in die Verfassunge eine explizite Formulierung zur Ablehnung der Missionierung aufgenommen wird. Denn erst wenn Jüdinnen und Juden sicher sein können, dass eine christlich-jüdische Begegnung nicht die Absicht verfolgt, sie zur Taufe zu bewegen, kann Vertrauen aufgebaut werden.

  18. Vorschlag für eine Erweiterung von Absatz 7:
    7) Die Landeskirche sucht die Begegnung und den Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen. Dabei strebt sie kritische Auseinandersetzung, interreligiöse Verständigung und gemeinsame Verantwortung für das Zusammenleben der Menschen an.
    In der Begegnung mit dem Islam orientiert sie sich an Stationen des gelungenen Dialogs und lässt sich nicht von der Konstruktion einer christlichen Leitkultur leiten. Sie würdigt die Bemühungen um einen europäischen Islam und sucht das Gespräch mit Muslimen aller Glaubensrichtungen und Nationalitäten.

  19. Ich finde es nicht angemessen, dass der Islam – immerhin die dritte abrahamitische Religion – unter „andere Religionen und Weltanschauungen“ subsumiert wird. Was ist das Spezifische, das die Kirche im Dialog mit dem Islam (auch über sich selbst) erfahren kann?

  20. Die Darstellung der verschiedenen Verbundenheiten, Gliedkirchenschaften etc. finde ich für Laien schwer zu durchschauen (der Begriff Gliedkirche taucht z.B. 2x auf) – aber vielleicht muss das in einer Verfassung so ausführlich sein.
    Vielleicht kann man in Absatz 7 die Verständigung (dass sie interreligiös ist, ist selbsterklärend) vor die kritische Auseinandersetzung stellen.

  21. Grundsätzlich finde ich den Artikel sehr gelungen.

    Ebenso falsch wie Missionierung um jeden Preis oder ein Überlegenheitsanspruch des Christentums ist es aber auch, Teile des Missionsauftrages (Mt 28, 18-20 !) aus falsch verstandener Rücksicht auf die Geschichte zu verbieten – Absatz 6. Es ist unser Auftrag, die frohe Botschaft des Evangeliums in die Welt zu tragen. und Jesus hat sich ganz besonders an die Juden gerichtet …

    • Was wäre denn eine „richtig verstandene Rücksicht auf die Geschichte“?
      Ich finde die Formulierung „Bemühungen, zum Religionswechsel zu bewegen“ gut, weil sie den – falsch verstandenen – Machtanspruch christlicher Bekehrungsversuche deutlich macht.

    • Matth. 28,18ff meint doch wohl Sendung von Juden durch einen Juden an die nichtjüdischen Völker (ethne)? Dass Jesus sich selber besonders an die Juden gewandt hat, trifft natürlich zu: Sendung der Jünger (Matth 10parr) als Multiplikatoren der Botschaft von der Nähe der Basileia, ferner die Diskussionen mit pharisäischen Kollegen und Sadduzäern um halachische Fragen. Doch der Auferstandene sendet an die Völker. Es ließe sich etwas zugespitzt fragen, wie es möglich sein kann, dass ein Jude elf andere Juden aussendet, um Juden zu missionieren und zu taufen… nein: Israel lehre die Völker!

  22. Nur ein formaler Hinweis: Beim Wort „Juden“ wird die sonst so strikt durchgehaltene geschlechtergerechte Sprache nicht angewandt. Bei „Christen“ ist demgegenüber immer von „Christinnen und Christen“ die Rede.

  23. Ich stimme Herrn Wohlgemuth zu.

  24. Die bisherige Formulierung ist eindeutig in ihrem Bekenntnis zum Festhalten Gottes an seinem auserwählten Volk. Das ist biblisch wohl begründet und sollte unstrittig sein. Dagegen ist die Ablehnung der „Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen“, eine Formulierung, die nicht nur gezielte Missionsbemühungen angesichts der christlich-jüdischen Unheilsgeschichte ausschließt, sondern unter Berufung auf das christliche Bekenntnis – also mit stärkstem Geschütz – pauschal jede Bezeugung Jesu Christi gegenüber Juden unter Häresie-Verdacht stellt. Der wiederum träfe auf absurde Weise auch Paulus (Römer 9,1-5.30-10,4) und Petrus (Apg. 2,14ff). Die Erweiterung ist als Geste nach außen verständlich, schießt aber über das Ziel einer Kirchenverfassung hinaus, die „die Identität der Kirche ‹gewährleistet›, indem sie erkennbar macht, welche Merkmale den Anspruch der Kirche begründen, die urspr. Botschaft bewahrt zu haben“ (Dietrich Pirson, Art. Kirchenverfassung, V.1 Evangelische Kirche, in: RGG, 4. Aufl., Bd. 4, 1343).

    • Ich verstehe den Einwand so, dass das Wort „Bemühungen“ unglücklich ist. Aber ich habe keine gute Idee, was besser wäre…

      • „Sie achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes.“ Die unglückliche zweite Satzhälfte einfach streichen, da sie auch als Distanzierung vom Wirken Jesu Christi verstanden werden kann.

    • Ich schließe mich dem Kommentar von M. Wohlgemuth an und spreche mich gegen die Hinzufügung der Satzhälfte „lehnt deshalb … zu bewegen“ aus. Die bisherige Formulierung finde ich sehr gelungen. Sie enthält alle aus meiner Sicht wichtigen Stichpunkte: Die Verbundenheit von Kirche und jüdischem Volk, dessen Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes, das Anliegen der Versöhnung und die Förderung der Begegnung mit Juden und Judentum. Eine Hinzufügung der o.g. Satzhälfte halte ich für unglücklich auch angesichts des mühevoll erreichten Kompromisses der bisherigen Fassung. Das Anliegen dahinter kann ich nachvollziehen. Aber eine Kirchenverfassung soll ja nicht nur „Geste nach außen“ sondern auch identitätsstiftend „nach innen“ sein. Die bisherige Formulierung ist eine gute Grundlage für Gespräche zwischen den Vertreter/inne/n der unterschiedlichen Positionen. Die Hinzufügung erschwert den zukünftigen Dialog nach meiner Einschätzung eher.

    • Wir stimmen Herrn Wohlgemuth zu.
      Eine pauschale Ablehnung jeglicher Bemühungen geht zu weit.
      Ein Gespräch über den Glauben ist ja nicht automatisch mit Verfolgung und Kampf gleichzusetzen. Ein Gespräch muss aber noch möglich sein, ansonsten widerspricht die Verfassung dem biblischen Zeugnis.

      • Ich stimme den Vorrednern hier zu und wiederhole nicht bisher genannte gute Argumente. Hinzufügung der Satzhälfte „lehnt deshalb … zu bewegen“ streichen.