(1) Als evangelisch-lutherische Kirche ist die Landeskirche mit den evangelisch-lutherischen Kirchen in aller Welt verbunden. Sie ist Gliedkirche der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und Mitglied des Lutherischen Weltbundes.

(2) Die Landeskirche steht in der Gemeinschaft der lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen in Deutschland. Sie ist Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland.

(3) Die Landeskirche arbeitet mit den anderen Kirchen in der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen partnerschaftlich zusammen. Sie ist bestrebt, diese Zusammenarbeit so zu gestalten, dass ein Zusammenwachsen zu einer evangelischen Kirche in Niedersachsen möglich bleibt.

(4) Auf der Basis der Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa (Leuenberger Konkordie) gehört die Landeskirche der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) an.

(5) Die Landeskirche setzt sich dafür ein, die ökumenische Gemeinschaft der Christenheit zu stärken. Sie beteiligt sich an der Zusammenarbeit der christlichen Kirchen in Deutschland, in Europa und in aller Welt. Sie ist Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen.

(6) Die Landeskirche ist durch Gottes Wort und Verheißung mit dem jüdischen Volk verbunden. Sie achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen. Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie fördert die Begegnung mit Juden und Judentum.

(7) Die Landeskirche sucht die Begegnung und den Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen. Dabei strebt sie kritische Auseinandersetzung, interreligiöse Verständigung und gemeinsame Verantwortung für das Zusammenleben der Menschen an.

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Erläuterungen zu Artikel 4

Dieser Artikel enthält wie in der bestehenden Verfassung grundsätzliche Aussagen zur Zusammenarbeit der Landeskirche mit anderen Kirchen und Religionen. Er wurde behutsam erweitert, u.a. um Formen ökumenischer Zusammenarbeit, die im Jahr 1965 noch nicht bestanden.

Absatz 1

Absatz 1 stellt die Einbindung unserer Landeskirche als lutherischer Kirche in die VELKD und den Lutherischen Weltbund fest. Bis auf leichte sprachliche Veränderungen blieb er unverändert.

Absatz 2

Absatz 2 benennt unverändert die Zugehörigkeit zur EKD. Während die Verfassung von 1965 offener von der „bestehenden Gemeinschaft in der deutschen evangelischen Christenheit“ sprach, wird jetzt – auch auf der Basis der Leuenberger Konkordie von 1973, die die Kirchengemeinschaft zwischen reformierten und lutherischen Kirchen erklärte – die „Gemeinschaft der lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen in Deutschland“ herausgestellt. Diese Formulierung entspricht der Formulierung in Artikel 1 Absatz 1 der Grundordnung der EKD.

Absatz 3

Absatz 3 ist neu. Die Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen in der 1971 entstandenen Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen kann in der Verfassung nicht fehlen, wenn die verschiedenen Formen der Kooperation mit anderen Kirchen benannt werden. Der Konföderation gehören die hannoverschen Landeskirche, die Evangelisch-lutherische Landeskirchen in Braunschweig, die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg und die Evangelische-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche an. Der Absatz greift ausschließlich auf Formulierungen aus der Präambel des neuen, im Jahr 2014 von den fünf Mitgliedskirchen unterzeichneten Konföderationsvertrages zurück. Das gilt auch für die Zielbestimmung, „diese Zusammenarbeit so zu gestalten, dass ein Zusammenwachsen zu einer Evangelischen Kirche in Niedersachsen möglich bleibt.“

Absatz 4

Auch Absatz 4 ist neu, da die Leuenberger Konkordie erst acht Jahre nach Inkrafttreten der jetzigen Verfassung unterzeichnet wurde. Auf ihrer Basis gehört die Landeskirche zur GEKE und steht damit gegenwärtig mit 94 lutherischen, methodistischen, reformierten und unierten Kirchen aus über dreißig Ländern Europas und Südamerikas in voller Kirchengemeinschaft.

Absatz 5

Absatz 5 benennt wie bisher die ökumenische Verpflichtung der Landeskirche. Wie in der bisherigen Verfassung wird die Einbindung in die bestehende Zusammenarbeit der Kirchen und in den ÖRK genannt, also die aktive Mitwirkung in den verschiedenen ökumenischen Begegnungsforen und Gemeinschaften, z.B. in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) oder regelmäßigen evangelisch-katholischen Begegnungen. Darüber hinaus wird jetzt verstärkt die Verpflichtung der Landeskirche benannt, aktiv „die ökumenische Gemeinschaft der Christenheit zu stärken.“ Diese Verstärkung des ökumenischen Gedankens trägt der gewachsen Bedeutung der Ökumene Rechnung, die für die Landeskirche eine unverzichtbare und wertvolle Rolle spielt. Gegenwart und Zukunft der Kirche können heute nicht anders als ökumenisch gedacht werden.

Absatz 6

Absatz 6 übernimmt die Formulierungen in Artikel 4 Absatz 4 der bisherigen Verfassung, der im Jahr 2013 nach sorgfältiger Diskussion zum Thema „Christen und Juden“ in das Verfassungsrecht der Landeskirche aufgenommen wurde (s.o. zu Artikel 1 Absatz 2 Satz 2). Zentraler Gedanke ist dabei das Bekenntnis zur bleibenden Erwählung des jüdischen Volkes.

Schon 2013 wurde eine noch klarere Stellungnahme zum Thema „Judenmission“ diskutiert und von Vertretern des Judentums angemahnt. Damals hatte die Landessynode den Gedanken in den gefundenen Formulierungen als implizit geklärt angesehen und eine längere Fassung der Vorschrift als mit dem damaligen Duktus der Verfassung nicht für vereinbar gehalten. Nunmehr – so der Vorschlag – wird der Absatz von 2013 erweitert unter ausdrücklichem Rückgriff auf den Beschluss der Synode der EKD vom 9.11.2016 zu „Christen und Juden als Zeugen der Treue Gottes“. In dieser Erklärung heißt es: „Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in die Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“ Die in der bisherigen Verfassung enthaltene Formulierung zum jüdischen Volk: Die Landeskirche „achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes“ wird deshalb erweitert um den Satzteil: „und lehnt deshalb Bemühungen ab, Juden zum Religionswechsel zu bewegen.“

Absatz 7

Absatz 7 ist neu. Unter den Bedingungen der Gegenwart mit einer stark gewachsenen religiösen und weltanschaulichen Pluralität gehören „Begegnung und Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen“ jedoch zu den zentralen Aufgaben der Kirche und müssen daher benannt werden. Der Verfassungsentwurf belässt es allerdings bei der generellen Verpflichtung und einer sehr verknappten dreifachen Zielbestimmung.

 Auf jeden Fall muss es ein Ziel des interreligiösen Dialogs sein, die gemeinsame Weltverantwortung der Religionen für ein friedliches und gerechtes Miteinander der Menschen zu fördern und anzumahnen. Dies wird hier mit der knappen Formulierung „gemeinsame Verantwortung für das Zusammenleben der Menschen“ zum Ausdruck gebracht, wobei vorausgesetzt ist, dass es sich um ein Zusammenleben im Sinne der im folgenden Artikel 5 näher ausgeführten Werte und Grundüberzeugungen handelt. Es muss Ziel des Dialoges sein, dass sich die Religionen und Weltanschauungen gemeinsam für die Beachtung der Menschenrechte und für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

Der interreligiöse Dialog erschöpft sich aber nicht in der gemeinsamen Weltverantwortung. Menschen verschiedener Religion begegnen sich auch um ihrer selbst willen, etwa wenn sie sich besuchen oder zu Festen gegenseitig einladen. Die ersten beiden im Entwurf genannten Ziele benennen daher zwei notwendige Pole des interreligiösen Dialogs: kritische Auseinandersetzung (dieser Aspekt darf im Blick auf problematische Positionen und vielfältigen Missbrauch von Religion nicht fehlen) und – wo möglich – interreligiöse Verständigung. Dabei geht es nicht darum, die Religionen einander anzugleichen, sondern zuallererst Begegnung zu fördern, die Kenntnis voneinander zu vertiefen und Differenzen wie Übereinstimmungen auszuloten. Auf dieser Basis kann es auch zu gemeinsamem Handeln kommen, wobei multireligiöse Feiern (bei denen nicht gemeinsam gebetet wird, sondern die verschiedenen Religionen mit Respekt beim Gebet der anderen anwesend sind) nur eine Form sind.


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6 Kommentare

  1. Die Darstellung der verschiedenen Verbundenheiten, Gliedkirchenschaften etc. finde ich für Laien schwer zu durchschauen (der Begriff Gliedkirche taucht z.B. 2x auf) – aber vielleicht muss das in einer Verfassung so ausführlich sein.
    Vielleicht kann man in Absatz 7 die Verständigung (dass sie interreligiös ist, ist selbsterklärend) vor die kritische Auseinandersetzung stellen.

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  2. Grundsätzlich finde ich den Artikel sehr gelungen.

    Ebenso falsch wie Missionierung um jeden Preis oder ein Überlegenheitsanspruch des Christentums ist es aber auch, Teile des Missionsauftrages (Mt 28, 18-20 !) aus falsch verstandener Rücksicht auf die Geschichte zu verbieten – Absatz 6. Es ist unser Auftrag, die frohe Botschaft des Evangeliums in die Welt zu tragen. und Jesus hat sich ganz besonders an die Juden gerichtet …

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  3. Nur ein formaler Hinweis: Beim Wort „Juden“ wird die sonst so strikt durchgehaltene geschlechtergerechte Sprache nicht angewandt. Bei „Christen“ ist demgegenüber immer von „Christinnen und Christen“ die Rede.

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  4. Ich stimme Herrn Wohlgemuth zu.

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  5. Die bisherige Formulierung ist eindeutig in ihrem Bekenntnis zum Festhalten Gottes an seinem auserwählten Volk. Das ist biblisch wohl begründet und sollte unstrittig sein. Dagegen ist die Ablehnung der „Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen“, eine Formulierung, die nicht nur gezielte Missionsbemühungen angesichts der christlich-jüdischen Unheilsgeschichte ausschließt, sondern unter Berufung auf das christliche Bekenntnis – also mit stärkstem Geschütz – pauschal jede Bezeugung Jesu Christi gegenüber Juden unter Häresie-Verdacht stellt. Der wiederum träfe auf absurde Weise auch Paulus (Römer 9,1-5.30-10,4) und Petrus (Apg. 2,14ff). Die Erweiterung ist als Geste nach außen verständlich, schießt aber über das Ziel einer Kirchenverfassung hinaus, die „die Identität der Kirche ‹gewährleistet›, indem sie erkennbar macht, welche Merkmale den Anspruch der Kirche begründen, die urspr. Botschaft bewahrt zu haben“ (Dietrich Pirson, Art. Kirchenverfassung, V.1 Evangelische Kirche, in: RGG, 4. Aufl., Bd. 4, 1343).

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    • Ich verstehe den Einwand so, dass das Wort „Bemühungen“ unglücklich ist. Aber ich habe keine gute Idee, was besser wäre…

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