(1) Die Mitglieder der Landeskirche sind Teil der weltweiten Gemeinschaft der Glaubenden, die aus Gottes rechtfertigender Gnade leben. Als Ebenbilder Gottes geschaffen sind sie wie alle Menschen von gleicher Würde.

(2) Daher fördert die Landeskirche in ihrem Bereich ein Zusammenleben in Vielfalt und die Gleichstellung von Menschen jeden Geschlechts. Sie wendet sich gegen jede Form von Diskriminierung. Ihre Mitglieder wirken gleichberechtigt am Auftrag der Kirche mit.

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Erläuterungen zu Artikel 2

Dieser Artikel ist neu. Der Auftrag der Kirche wird durch die Gemeinschaft der Glaubenden (sanctorum communio) wahrgenommen. Diese Gemeinschaft ist in der Ebenbildlichkeit Gottes begründet (Schöpfung), lebt von der Rechtfertigung Gottes (Erlösung), der die Sünde ernstnimmt, aber dem Sünder immer wieder aus Gnade und Barmherzigkeit einen neuen Anfang mitten im Leben schenkt (Heiligung). Weil dies für jeden einzelnen Menschen gilt, kann die Gemeinschaft der Christinnen und Christen eine sehr vielfältige sein. Und sie achtet die Würde jedes einzelnen Menschen unabhängig von seiner Religion oder Weltanschauung und ächtet Diskriminierung. Die Gemeinschaft der Christinnen und Christen in diesem Sinn zu beschreiben ist für das Selbstverständnis der Kirche und das Handeln aller in der Kirche entscheidend.

Absatz 1

Absatz 1 Satz 1 stellt fest, dass das Leben der einzelnen Christin bzw. des einzelnen Christen immer auf die Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen bezogen ist. Diese Gemeinschaft der Heiligen ist eine weltweite Gemeinschaft. Deshalb ist es nötig, immer wieder über die Grenzen der Landeskirche hinaus zu denken, aus dieser weltweiten Gemeinschaft Kraft und neue Impulse zu empfangen und gemeinsam den Glauben zu leben. Dies ist möglich, weil Christinnen und Christen aus der Rechtfertigung Gottes leben und so befreit sind, für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen. Weil Menschen immer wieder nicht nach Gott fragen und gegenüber sich selbst, anderen und der natürlichen Mitwelt scheitern und schuldig werden, bedürfen sie der der Rechtfertigung. Darin sind alle vor Gott und vor den Menschen in der christlichen Gemeinschaft gleich.

Satz 2: Die Gleichheit aller Menschen als Ebenbilder Gottes verleiht ihnen eine unverlierbare Würde, für die die Landeskirche auf allen ihren Ebenen eintritt und die die einzelnen christlichen Gemeinschaften prägt.

Hier wird nicht explizit auf die Unterscheidung von sichtbarer und unsichtbarer Kirche eingegangen. Die Aussagen beziehen sich auf die sichtbare Kirche; zugleich ist deutlich, dass die Gemeinschaft der Heiligen immer größer ist als die sichtbare und konkret erfahrbare Gemeinschaft.

Absatz 2

Absatz 2 Satz 1 und 2 benennt die konkreten Folgerungen der theologischen Aussagen von Absatz 1. Dies ist aufgrund der Geschichte auch der Landeskirche im Umgang mit Frauen, mit Menschen anderer Hautfarbe, anderer sexueller Orientierung oder mit Behinderungen erforderlich. Es wird herausgestellt, dass die Landeskirche sich als eine plurale Gemeinschaft versteht, die für sich selbst alle Formen von Diskriminierung ablehnt und sich gegen Diskriminierung an anderen Orten wendet.

Dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist und der Rechtfertigung Gottes bedarf führt auch dazu, dass alle Mitglieder der Landeskirche gleichberechtigt am Auftrag der Kirche mitwirken. Diese Gleichberechtigung war geschichtlich bis in die jüngste Zeit nicht für alle gegeben. Daher ist es wichtig, dass sie jetzt in der Verfassung explizit festgeschrieben wird.


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6 Kommentare

  1. In Absatz zwei wird in der jetzigen Fassung nach meinem Empfinden der Versuch gemacht zwei Themen, die zusammen hängen können, in zwei Sätzen unterschiedlich zu gewichten. Einerseits geht es um die Gleichstellung jeden Geschlechtes und andererseits um die Abwehr jeder Diskriminierung. Was sich hinter dem zweiten verbirgt bleibt undeutlich. Eine Diskriminierung wegen der Hautfarbe, der Sprache, der Kultur spielt für die Entscheiderinnen und Entscheider der Verfassung vielleicht eine andere Rolle, als die Diskriminierung wegen des Geschlechtes, aber betrifft die Menschen in gleicher Weise.
    Darum würde ich lieber kürzer formulieren:
    Daher fördert die Landeskirche in ihrem Bereich ein
    Zusammenleben in Vielfalt. Ihre Mitglieder wirken gleichberechtigt am Auftrag der Kirche mit.

    Mit diesem Satz ist das Gemeinte kurz positiv beschrieben.

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    • Ich spreche mich für den Erhalt der vorgeschlagenen Formulierung aus. Das ausdrückliche Abweisen jeder Diskriminierung (ob sie sich auf Alter, Hautfarbe oder Geschlecht bezieht) werden wir in Debatten innerhalb unserer Gemeinden und in der ACK als klärend und hilfreich erleben.

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  2. Ich schließe mich dem Kommentar von Heike an – so wird z.B. in Art 4.7 der Dialog mit den anderen Religionen erwähnt: Ist die Genderfrage wichtiger, da sie bereits in Art 2 benannt wird? Und wie steht es um Menschen mit körperlichen Einschränkungen, verschiedenen Hautfarben etc? Ich würde „jeden Geschlechts“ streichen.

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  3. Den Kommentar von Heike sehe ich auch so.

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  4. Ja, alle Menschen sind gleichberechtigt und von Gott gleich geliebt. Bibel und Natur gehen aber von der Ehe zwischen Mann und Frau als Normalfall aus. Nur, damit die Akzeptanz anderer sexueller Orientierungen hier nicht als Gleichwertigkeit mit der echten Ehe missverstanden wird…

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  5. „Vielfalt“ ist allgemein benannt. Warum wird gerade Geschlecht ausdrücklich genannt?
    Ohne die Erläuterung hatte ich den Absatz als nur auf Geschlecht ausgerichtet verstanden.

    Ich würde „Geschlecht“ hier weglassen.
    Vielleicht ist in 10 Jahren „Alter“ oder etwas anderes viel relevanter?

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