(1) An den Aufgaben der Verkündigung haben verschiedene Dienste teil. Die öffentliche Verkündigung in Wort und Sakrament setzt eine ordnungsgemäße Berufung voraus (Amt der öffentlichen Verkündigung).

(2) Zum Amt der öffentlichen Verkündigung werden Pastorinnen und Pastoren durch die Ordination berufen. Sie sind in der Bindung an ihr Ordinationsversprechen und im Rahmen des geltenden Rechts in der Ausübung dieses Amtes unabhängig. Sie tragen besondere Verantwortung für die Einheit von Gemeinde und Kirche in Lehre und Leben.

(3) Andere Mitglieder der Landeskirche werden zum Amt der öffentlichen Verkündigung im Rahmen einer Beauftragung als Prädikantin oder Prädikant berufen.

(4) In Notfällen können alle Mitglieder der Kirche auf Grund ihrer Taufe Aufgaben der öffentlichen Verkündigung wahrnehmen.

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Erläuterungen zu Artikel 12

Dieser Artikel regelt die öffentliche Verkündigung in Wort und Sakrament, also die eigenständige Predigt und Leitung von Gottesdiensten, die Leitung der Feier des Heiligen Abendmahls und die Taufe.

Absatz 1

Absatz 1 stellt in Satz 1 eine Überleitung aus Artikel 11 her, indem er zum Ausdruck bringt, dass verschiedene Dienste an den Aufgaben der Verkündigung teilhaben. Hier ist – im Unterschied zur umfassenderen Aufzählung in Artikel 11 Absatz 2 – besonders an alle Dienste gedacht, die am Gottesdienst mitwirken: Diakoninnen und Diakone, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, Küsterinnen und Küster, Lektorinnen und Lektoren, Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher usw.

Satz 2 macht dann den lutherischen Grundsatz klar, dass zwar alle Mitglieder der Kirche zum Zeugnis des Dienstes berufen sind, das Amt der öffentlichen Verkündigung aber an eine ordnungsgemäße Berufung gebunden ist (Artikel 14 des Augsburger Bekenntnisses – CA 14). Diese Berufung erfolgt durch die Landeskirche, konkret durch Personen, die den bischöflichen Dienst ausüben.

Die Formulierung nimmt Klärungen auf, die in der Schrift „Ordnungsgemäß berufen“ der Bischofskonferenz der VELKD vorgenommen wurden („Ordnungsgemäß berufen“. Eine Empfehlung der Bischofskonferenz der VELKD zur Berufung zu Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung nach evangelischem Verständnis, November 2006, Texte aus der VELKD 136/2006). Nach dieser Schrift werden Mitglieder der Kirche auf zweifache Weise gemäß CA 14 ordnungsgemäß zum Amt der öffentlichen Verkündigung berufen: Einerseits als Pastorinnen und Pastoren durch die Ordination, andererseits als Prädikantinnen und Prädikanten durch eine entsprechende Beauftragung. Diese beiden Fälle werden in den folgenden Absätzen 2 und 3 geregelt.

Absatz 2

Absatz 2 regelt die Ordination von Pastorinnen und Pastoren. Ihr Dienst ist nach wie vor für die Kirche und ihre öffentliche Wahrnehmung entscheidend wichtig. In Aufnahme einer schon bisher geltenden Bestimmung aus Artikel 32 Absatz 1 der bisherigen Verfassung wird herausgestellt, dass Pastorinnen und Pastoren in der Ausübung ihres Amtes unabhängig sind. Das gilt insbesondere für die Inhalte der Verkündigung. Allerdings sind sie in ihrem Dienst und ihrer Verkündigung zugleich gebunden an das geltende Recht und an ihr Ordinationsversprechen und damit auch an Schrift und Bekenntnis. Der Satz: „Sie tragen besondere Verantwortung für die Einheit von Gemeinde und Kirche in Lehre und Leben.“ macht deutlich, dass Pastorinnen und Pastoren durch die Ordination und aufgrund ihrer theologischen Kompetenz eine besondere Verantwortung für die Einheit der Kirche haben. Dies bezieht sich besonders auf Lehre und Verkündigung, aber auch auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb der Kirchengemeinde, des Kirchenkreises oder der anderen Arbeitsfelder. Die Formulierung schließt an Artikel 16 der Verfassung der Ev.-Luth. Kirche in Bayern an. Weitere Aussagen zu den Aufgaben des Pfarramtes werden unten in Artikel 23 gemacht; weitere rechtliche Regelungen sind im Pfarrdienstgesetz der EKD (zur Freiheit der Verkündigung und zur Aufgabe der Einheit s. besonders § 24 und § 26) und anderen rechtlichen Bestimmungen enthalten.

Absatz 3

Absatz 3 benennt die ordnungsgemäße Berufung von Prädikantinnen und Prädikanten im Rahmen einer Beauftragung, also von Personen, die ehrenamtlich im Dienst der Verkündigung tätig sind und zunächst die Ausbildung zum Lektor oder zur Lektorin (dieser Dienst ist in Absatz 1 Satz 1 mitgedacht) und nach entsprechender Praxis die zum Prädikantin oder zum Prädikanten durchlaufen haben. Diese Personen bringen durch ihre Berufs- und Lebenserfahrung eine wichtige eigene Perspektive in den Dienst der Verkündigung ein und leisten einen bedeutsamen Beitrag zum gottesdienstlichen Leben der Landeskirche.

Nach der VELKD-Schrift „Ordnungsgemäß berufen“ erfolgt auch die Beauftragung von Prädikantinnen und Prädikanten einmalig unter Gebet und Segen und steht gemäß CA 14 in der geistlichen Bedeutung der Ordination gleich. Der konkrete Auftrag für den Dienst ist jedoch jeweils zeitlich (in der Landeskirche bis zur nächsten Kirchenkreisvisitation) und örtlich (in der Regel für den Bereich eines Kirchenkreises) begrenzt. Die Einzelheiten hierzu sind im Lektoren- und Prädikantengesetz der Landeskirche geregelt. Danach werden Prädikantinnen und Prädikanten mit der öffentlichen Verkündigung durch eine eigenständige Predigt sowie mit der Leitung von Abendmahlsfeiern beauftragt. Mit der Durchführung von Taufen und Amtshandlungen können Prädikantinnen und Prädikanten im Einzelfall durch den Regionalbischof oder die Regionalbischöfin beauftragt werden; in der Regel geschieht dies jedoch bisher nicht.

Absatz 4

Absatz 4 ist wörtlich aus Artikel 10 Absatz 4 der geltenden Verfassung übernommen. Er hat insbesondere den Fall der Nottaufe (Taufe bei Lebensgefahr) vor Augen (vgl. dazu im Evangelischen Gesangbuch Nummer 791).


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14 Kommentare

  1. Satz 1 in Absatz 1 geht angesichts der umfangreichen Erläuterungen zur öffentlichen Verkündigung in Wort und Sakrament unter. Auch wenn es so nicht gemeint ist, klingt es so als sei die öffentliche Verkündigung in Wort und Sakrament ein Gegenpol zur Verkündigung in Artikel 11, die nicht als öffentlich gelte. Das ist mehr als unglücklich formuliert. Lässt sich die öffentliche Verkündigung (ohne Sakramentsverwaltung) nicht in einem eigenen Absatz fassen? So dass verschiedene Berufsgruppen (Kirchenmusiker, Küster, Diakone, Sozialarbeiter,…)hier in aller Offenheit zur Ergänzung genannt werden können? (Die Aufzählung der Dienste in Artikel 11 wird ja auch als nicht vollständig begriffen.)

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  2. Diakone haben Anteil am Amt der Verkündigung, werden hier aber nicht benannt. Sie werden für ihren Dienst eingesegnet, auch dieses könnte analog der Ordinierung benannt werden. Wenn schon bestimmte Berufsgruppen benannt werden, dann doch bitte alle, auch die Kirchenmusiker fehlen hier. Ansonsten könnte man auch Absatz 2 bis 4 streichen und das weitere in einem Kirchengesetz regeln, da diese Verfassung ja wahrscheinlich länger gilt als die momentane Struktur unserer Landeskirche und weitreichende Änderungen vor uns stehen.

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  3. Wir fragen an, weshalb Lektorinnen und Lektoren innerhalb dieses Artikels keine Erwähnung finden, obgleich ihr Auftreten in Sonntagsgottesdiensten an vielen Orten keine Seltenheit ist.

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  4. In 12.4 steht:
    „In Notfällen können alle Mitglieder der Kirche auf Grund ihrer Taufe Aufgaben der öffentlichen Verkündigung wahrnehmen.“

    Wir plädieren dafür, dass der Begriff ‚In Notfällen‘ gestrichen und durch das Wort ‚grundsätzlich“ ersetzt wird. Wir rekurrieren dabei auf Artikel 11.1:
    „Alle Mitglieder der Kirche sind durch die Taufe zu Zeugnis und Dienst berufen“ und schlagen vor, dies auch auf die öffentliche Verkündigung anzuwenden.

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  5. Seit vielen Jahren gestalte ich als Lektor Gottesdienste und Andachten in unserer Gemeinde. Nun muss ich dem Entwurf der Kirchenverfassung entnehmen, dass ich nicht dort mehr vorkomme bzw. mit anderen irgendwo subsummiert werde. Bei der zunehmenden Knappheit an verkündenden Profis (=Pastores) halte ich es für nicht so geschickt, die LektorInnen zu vergessen. Bei den jährlichen Treffen in unserem Kirchenkreis bzw. Sprengel, kann man erfahren, wie viel Verkündigung von LektorInnen vorgenommen wird.
    Ich empfehle daher, da LektorInnen auch berufen werden, eine Änderung des Textes in beispielsweise: „ausgebildete, berufene Laien“.
    Die ebenfalls predigenden und Gottesdienst gestaltenden Diakone/Diakoninnen vermisse ich in dem Text ebenfalls. Zumindest in unserer Gemeinde gestaltet die Diakonin, wie auch ihr Vorgänger, Gottesdienste.

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  6. DiakonInnen haben Anteil an der Verkündigung, die Berufsgruppe darf hier nicht vergessen werden! Es gibt – wie bei den PastorInnen die Ordination – bei den DiakonInnen die Einsegnung.
    Außerdem hat auch die Kirchenmusik ihren Teil an der Verkündigung. Wir singen nicht irendwelche Lieder sondern suchen alle für unsere Gottesdienste inhaltlich passende Lieder aus – Verkündigung mit verschiedenen Sinnen!

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  7. Stellungnahme der Sprengellektorenkonferenz des Sprengels Ostfriesland-Ems

    In den Kirchengemeinden unserer Landeskirche werden die Gottesdienste in der Regel von Pastorinnen und Pastoren, Prädikantinnen und Prädikanten, aber zu einem großen Teil auch von Lektorinnen und Lektoren gestaltet und verantwortet.
    Auch die Gottesdienste, die Lektorinnen und Lektoren halten, beinhalten eine Predigt. Somit haben sie Anteil am Amt der „Öffentlichen Verkündigung“ – unabhängig davon, ob sie das Recht zur freien Wortverkündigung haben.
    Daher halten wir es für unverständlich, dass zwar die Prädikantinnen und Prädikanten in Abs. 3 erwähnt werden, die Lektorinnen und Lektoren jedoch in Abs. 1 Satz 1 lediglich mitgedacht werden sollen (vgl. Kommentar zu Abs. 3).
    Es wird der Eindruck vermittelt, als würde der Dienst der Lektorinnen und Lektoren einen geringeren Wert als der Verkündigungsdienst der anderen Gruppen haben. Dieser Eindruck kann u.E. nicht im Sinne der Verfassung sein. Auch theologisch ist diese Unterscheidung nicht nachvollziehbar, da es ja bei allen um die Verkündigung des einen Wortes Gottes geht.

    Aus diesem Grund erwarten wir eine Neuformulierung von Abs. 3., die allen ehrenamtlichen Verkündigerinnen und Verkündigern gerecht wird. So schlagen wir vor, dass die Worte „als Prädikantin oder Prädikant“ gestrichen werden:

    „(3) Andere Mitglieder der Landeskirche werden zum Amt der öffentlichen Verkündigung im Rahmen einer Beauftragung berufen.“

    (Alternativ könnten die Lektorinnen und Lektoren neben den Prädikantinnen und Prädikanten in Abs. 3 mit aufgenommen werden. Dadurch würde der Absatz u.E. jedoch unnötig kompliziert werden.)

    Christine Seidemann, Sprengellektorensprecherin
    Marten Lensch, Sprengellektorenbeauftragter

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    • Im Rahmen der Arbeitsgruppe des Studientages zum Verfassungsentwurf im Predigerseminar Loccum möchten wir diese Punkten bestätigen. Zudem möchten wir die Gleichwertigkeit der Verkündigungsdienste (vgl. Art. 11.3) dahingehend betonen, indem wir die Sätze 2 und 3 in einem Satz zusammenfassen.

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  8. An den Aufgaben der Verkündigung nehmen nicht nur die Pastorinnen und Pastoren Teil. Das tut jeder Christ durch ihr/sein Leben, Tun und Reden.
    Das sollte sauber von Predigt getrennt werden und solche Spezialkirchenworte wie „Wortverkündigung“ sollten hier gar nicht erscheinen. Wenn damit mehr gemeint ist, darf das gerne ausdrücklich gesagt werden.

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  9. Kommentar zu Artikel 12,2

    Pastoren und Prädikanten werden benannt, jedoch nicht die Berufsgruppe der Diakone, die ebenfalls verantwortlich das Amt der Verkünigung ausüben. Sei es in Gemeinden, in Regionen, auf KK-Ebene, oder auf Sprengel-Ebene. Auch wenn das in den obigen Kommentaren bereits benannt ist, möchte ich durch die Doppelung des Themas auf dessen Wichtigkeit hinwirken.

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  10. Ich würde die Formulierungen in Absatz 3 in folgender Weise verändern:
    Andere Mitglieder der Landeskirche werden zum Amt der öffentlichen Verkündigung im Rahmen einer Beauftragung berufen.

    Durch den Wegfall der konkret benannten Gruppe der Prädikantinnen und Prädikanten, wäre der Absatz zukunftsoffen. Vielleicht werden ja eines Tages auch Diakone und Diakoninnen in unserer ordiniert. Oder andere Qualifikationen anerkannt.

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  11. Meine Frage ist warum hier die Gruppe der Diakone fehlt. Diakoninnen führen Jugendgottesdienste und Andachten durch, berichten in Gemeindebriefen und auf Webseiten von ihrer Berufung und bilden Jugendlichen in Exegese, Homiletik und Andachtsgestaltung aus.

    Diakone sind dabei häufig nicht Mitwirkende (wie zum Beispiel: Kirchenmusiker und Küster), sondern tragen die Verantwortung für einen Gottesdienst.

    Diakoninnen in der Jugendarbeit tragen auch Verantwortung für die Einheit von Kirche in Lehre und Leben und stellen sich den Fragen der jungen Menschen.
    Sie übernehmen häufig nicht die Verantwortung einer Kirchengemeinde, aber sind für Lehre und Verkündigung in ihrem Bereich zuständig. Sie stehen für die Kirche in Jugendkonventen auf Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Sprengel ein und repräsentieren die Jugendarbeit der Kirche nach außen.
    Diakone sind ebenfalls theologisch gut ausgebildet und haben einen sehr guten Blick auf ihre Zielgruppe.

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  12. (2) Zum Amt der öffentlichen Verkündigung werden Pastorinnen und Pastoren und Prädikantin oder Prädikantdurch die Ordination berufen. Sie sind in der Bindung an ihr Ordinationsversprechen und im Rahmen des geltenden Rechts in der Ausübung dieses Amtes unabhängig. Sie tragen besondere Verantwortung für die Einheit von Gemeinde und Kirche in Lehre und Leben.

    Damit hätten auch die katholische Geschwister weniger Probleme.

    Den es steht die Frage, warum ein Sakrament (Abendmahl) von einer nicht ordinierten Person gegeben werden kann. Zumal dies in anderen evangelischen Landeskirchen doch erfolgreich gehandhabt wird.

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    • Die Frage, ob die „ordnungsgemäße Berufung“ der Prädikantinnen und Prädikanten „Ordination“ heißen soll, ist auf VELKD-Ebene bis 2006 intensiv diskutiert worden. Darauf fußt offenbar die obige Formulierung. Vgl. Texte aus der VELKD 136 und 164.

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