(1) Alle Mitglieder der Kirche sind durch die Taufe zu Zeugnis und Dienst berufen.

(2) Auf dieser Grundlage werden für bestimmte Aufgaben einzelne Dienste besonders geordnet und einzelnen Mitgliedern der Landeskirche ehrenamtlich oder beruflich übertragen. Das gilt insbesondere für Dienste im Bereich der Verkündigung, der Seelsorge, der Kirchenmusik, der Diakonie, der Bildung sowie der Leitung und der Verwaltung.

(3) Ehrenamtliche und berufliche Dienste sind in einer Dienstgemeinschaft aufeinander bezogen. Beide dienen mit gleichem Rang auf je eigene Weise dem Aufbau der Gemeinde Jesu Christi.

(4) Bestimmte Dienste können im Rahmen einer kirchengesetzlichen Regelung auch Personen übertragen werden, die nicht Mitglied der Landeskirche oder einer anderen christlichen Kirche sind.

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Erläuterungen zu Artikel 11

Artikel 10 trifft generelle Aussagen über die verschiedenen Dienste innerhalb der Kirche. Er steht im engen Zusammenhang mit Artikel 11, der das besondere Amt der öffentlichen Verkündigung beschreibt. Die Verfassung hält hier sprachlich an der Unterscheidung zwischen vielen Diensten und dem einen Amt der öffentlichen Verkündigung fest.

Absatz 1

Absatz 1 eröffnet den Abschnitt über die Dienste in der Kirche (Artikel 10-12) mit einer einladenden Formulierung, die auf der Basis des allgemeinen Priestertums aller Getauften die Berufung aller Mitglieder der Kirche zu Zeugnis und Dienst herausstellt. Die bisherige Verfassung hatte hier eine eher abgrenzende und nicht einladende Formulierung: „Unbeschadet der Verpflichtung jedes Kirchengliedes, das Evangelium durch Wort und Tat zu bezeugen, sollen die öffentliche Verkündigung und die Sakramentsverwaltung in der Landeskirche und den Kirchengemeinden nur mit rechtmäßigem Auftrag geschehen (Amt der Verkündigung)“ (Artikel 10 Absatz 1 alt).

Es ist für die Landeskirche als lutherische Kirche angemessen, den Abschnitt über die Dienste in der Kirche mit dem Hinweis auf das Allgemeine Priestertum (siehe dazu oben ausführlicher zu Artikel 7 Absatz 1) zu eröffnen. Die Berufung und Befähigung zum Allgemeinen Priestertum bezieht sich bei Luther einerseits auf eine geistliche Würde, andererseits auf das individuelle Zeugnis der Christen etwa im privaten Bereich und im persönlichen und beruflichen Umfeld. Für den Bereich des öffentlichen Gottesdienstes und der öffentlichen Verkündigung bedarf es einer besonderen Ordnung und Berufung. Sie wird im Folgenden, insbesondere in Artikel 12, geregelt.

Absatz 2

Absatz 2 ist neu. Er führt vom Gedanken des allgemeinen Priestertums aller in Absatz 1 weiter zur Breite der besonderen kirchlichen Dienste, die notwendig sind, um den Auftrag der Kirche zu erfüllen. Diese Dienste werden durch die Kirche jeweils geordnet und ehrenamtlich oder beruflich übertragen. Dabei werden die wichtigsten kirchlichen Handlungsfelder ausdrücklich aufgeführt, ohne dass hier Vollständigkeit möglich ist. Die Formulierung knüpft an Artikel 15 Absatz 1 der Verfassung der EKM an.

Absatz 3

Absatz 3 über die Gleichrangigkeit von ehrenamtlichem und beruflichem Dienst wurde beinahe wörtlich aus Artikel 1 Absatz 4 der bestehenden Verfassung an diese Stelle übernommen. Die Formulierung war 2002 in die Kirchenverfassung neu aufgenommen worden. Zur Einpassung in den Zusammenhang wurde lediglich der Singular in den Plural („Dienste“) überführt.

Absatz 4

Absatz 4 eröffnet die Möglichkeit, bestimmte Dienste auch Personen zu übertragen, die einer anderen christlichen Kirche angehören oder die gar nicht Mitglied einer Kirche sind. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels ist es teilweise gar nicht mehr möglich, die Funktionsfähigkeit einzelner kirchlicher Arbeitsbereiche ohne die Anstellung von Nichtmitgliedern der Landeskirche zu sichern. In besonderen Fällen werden sogar Mitarbeitende mit speziellen Kompetenzen, z.B. interkulturellen Kompetenzen, gesucht, die allenfalls in Ausnahmefällen evangelisch-lutherisch sind.

Im Zusammenhang mit der Anstellung von Nichtmitgliedern sind viele Fragen zu bedenken, vor allem die Frage, ob und inwieweit das Profil einer Einrichtung davon abhängt, dass die Mitarbeitenden Mitglieder einer Kirche der EKD sind. In der Richtlinie über kirchliche Anforderungen der beruflichen Mitarbeit in der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Diakonie, der sog. Loyalitätsrichtlinie vom 09. Dezember 2016, die einen Rahmen für die Gesetzgebung der Landeskirchen bildet, sind die wichtigsten aktuellen Grundsätze zur Klärung dieser Fragen zusammengefasst. In der Verfassung müssen die an die Loyalitätsrichtlinie anknüpfenden Regelungen aber so offen formuliert werden, dass sie auch Raum für Veränderungen des jetzigen Rechtszustandes lassen. Wichtig ist dabei, dass die Verfassung eine Öffnung jeweils an die Ausgestaltung durch eine kirchengesetzliche Regelung bindet. Sonst bestünde die Gefahr, dass Bewerberinnen oder Bewerber um eine kirchliche Stelle unmittelbar unter Berufung auf die Verfassung einen Anspruch auf Einstellung geltend machen, der über die aktuell bestehenden einfachgesetzlichen Regelungen hinausgeht.

Die Formulierung „bestimmte Dienste“ soll deutlich machen, dass die Möglichkeit einer Ausnahme vom Einstellungserfordernis der Kirchenmitgliedschaft sich nicht auf alle Dienste beziehen muss. Auch die Differenzierung zwischen Mitgliedern der Landeskirche und einer anderen christlichen Kirche nimmt darauf Bezug, dass die Übernahme von Aufgaben der Verkündigung, der Seelsorge und der evangelischen Bildung die Mitgliedschaft in einer evangelischen Kirche und die Übernahme von Aufgaben der Leitung zumindest die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche voraussetzt.


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7 Kommentare

  1. Artikel 3. Das „aufeinander bezogen“ kann schlicht weg. …dienen in einer Dienstgemeinschaft…- das reicht.
    Die Zielbestimmung ist zu eng. Und zwar deutlich. Seit wann ist der Aufbau der Gemeinde Jesu Christi das erste Ziel? Barmen 6 formuliert: Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes….. die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ Aufbau der Gemeinde ist mir als Auftrag deutlich zu eng gefasst. Ich habe auch als Feuerwehrmann lange gearbeitet(Doppelgebot: Gott zur Ehr dem Nächsten zur Wehr). In der Notfallseelsorge. das ist Dienst an Welt und Menschen, und nicht in erster Linie zum Aufbau der Gemeinde.

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  2. Artikel 11 Abs.3
    Die bisherige Formulierung „ehrenamtlicher und beruflicher Dienst“ war auf einzelne, in gewisser Weise auf Personen bezogen. Daher als Singular korrekt. Jetzt stehen da „Dienste“. Das halte ich für unpersönlicher und daher auch unbedeutender. Ich schlage vor, an dieser Stelle die Formulierung aus der bisherigen Verfassung beizubehalten.

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  3. Zu Absatz 4: Ich finde es falsch, hier von „Diensten“ zu sprechen, da die oben, in Absatz 1, ja gerade als Bestimmung von Kirchenmitgliedern qualifiziert sind. Besser wäre z.B. „Aufgaben“.

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  4. (1) Alle Mitglieder der Kirche sind durch die Taufe zu Zeugnis und Dienst berufen.

    Zu (2) Also gibt es welche die GLEICHER sind als alle Mitglieder. Sehr schlechte formulierung
    Zudem wird damit der Absatz (1) ausgeheblt.

    (4) Bestimmte Dienste können im Rahmen einer kirchengesetzlichen Regelung auch Personen übertragen werden, die nicht Mitglied der Landeskirche oder einer anderen christlichen Kirche sind.

    Nein bestimmt nicht. Da mit dieser Regelung auch ungetaufte Dienste jeder Art übernehmen könnte. Dies kann nur Mitglieder gelten, für Getaufte.

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  5. Absatz 4: Das muss aber wirklich die Ausnahme sein und absolut auf praktische/ handwerkliche Tätigkeiten begrenzt werden, die nichts mit Lehre, Bildung, Verkündigung zu tun haben. Der Staat muss ja auch niemanden einstellen, der das Grundgesetz ablehnt …

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    • Stefan bringt es fasst auf den Punkt:
      Die Landeskirche darf niemanden beschäftigen, der die Lehre Jesu Christi ablehnt oder sich gegen den Fortbestand der Landeskirche einsetzt.

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  6. Artikel 11 Abs 4: Ist zu vage formuliert (was sind bestimmte Dienste?) Mein Vorschlag:
    Näheres regelt das Kirchengesetz.
    Das könnte dann den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden.

    Artikel 12: Die Diakoninnen, Diakone fehlen. Ebenso Soz.päd.

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