(1) Die Landeskirche mit allen ihren Mitgliedern und Mitarbeitenden trägt Verantwortung für die Erhaltung und Förderung der Verkündigung des Wortes Gottes und der Feier der Sakramente gemäß dem Evangelium.

(2) Das Evangelium wird in Wort und Tat verkündigt und bezeugt vor allem durch Gottesdienst, Gebet, Kirchenmusik, Mission, Seelsorge, Diakonie, Bildung und Kunst sowie durch die Wahrnehmung der kirchlichen Mitverantwortung für Gesellschaft und öffentliches Leben. Zeugnis, Mission und Dienst erfolgen in Gemeinschaft mit anderen christlichen Kirchen und im Zeichen der Treue Gottes zum jüdischen Volk.

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Artikel 1

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Erläuterungen zu Artikel 1

Dieser Artikel ist neu. Der Auftrag der Kirche wird durch die Gemeinschaft der Glaubenden (sanctorum communio) wahrgenommen. Diese Gemeinschaft ist in der Ebenbildlichkeit Gottes begründet (Schöpfung), lebt von der Rechtfertigung Gottes (Erlösung), der die Sünde ernstnimmt, aber dem Sünder immer wieder aus Gnade und Barmherzigkeit einen neuen Anfang mitten im Leben schenkt (Heiligung). Weil dies für jeden einzelnen Menschen gilt, kann die Gemeinschaft der Christinnen und Christen eine sehr vielfältige sein. Und sie achtet die Würde jedes einzelnen Menschen unabhängig von seiner Religion oder Weltanschauung und ächtet Diskriminierung. Die Gemeinschaft der Christinnen und Christen in diesem Sinn zu beschreiben ist für das Selbstverständnis der Kirche und das Handeln aller in der Kirche entscheidend.

Absatz 1

In Absatz 1 wird weiterhin die gemeinsame Verantwortung aller in der Landeskirche für die Verkündigung des Wortes Gottes und die stiftungsgemäße Darreichung der Sakramente herausgestellt. Diese Formulierung nimmt Artikel 7 des Augsburger Bekenntnisses (CA 7) auf und bezeichnet grundlegend das, was Kirche zur Kirche macht. Schriftgemäße Verkündigung und Sakramentsdarreichung sind nach lutherischem Verständnis die entscheidenden Kennzeichen der Kirche.

Der Absatz wurde sprachlich verändert, bleibt inhaltlich aber im Wesentlichen gleich. Statt der früheren, recht langen und nicht völlig schlüssigen Zusammenstellung „die Landeskirche und die Kirchengemeinden mit allen ihren Gliedern, Amtsträgern und Organen“ werden jetzt knapper „die Landeskirche mit allen ihren Mitgliedern und Mitarbeitenden“ als Subjekte benannt. Das einschränkende und etwas unklare Wort „Amtsträger“ wird dabei durch die Formulierung „Mitarbeitende“ ersetzt. An Stelle der sehr traditionellen Formulierung: „rechte Verkündigung des Wortes Gottes und stiftungsgemäße Darreichung der Sakramente“ lautet die Formulierung nun einfacher und zeitgemäßer: „Verkündigung des Wortes Gottes und Feier der Sakramente gemäß dem Evangelium.“ Eine inhaltliche Veränderung ist damit ausdrücklich nicht gemeint.

Absatz 2

Absatz 2 Satz 1 wurde in Anlehnung an Artikel 1 Absatz 5 der Verfassung der Nordkirche  neu formuliert an Stelle der etwas veraltet klingenden, aus heutiger Sicht aber auch nicht mehr vollständigen Formulierung in der bisherigen Verfassung: „Diese Verantwortung verpflichtet zum Zeugnis in der Öffentlichkeit, zur Wahrnehmung des Missionsauftrages der Christenheit in aller Welt und zum Dienst der helfenden Liebe.“ Die neue Formulierung versucht, in einem Satz alle wichtigen Dimensionen kirchlichen Handelns zu benennen und so den differenzierten Auftrag der Kirche zu beschreiben, wie er sich aus dem in Absatz 1 genannten einen Wort Gottes ergibt. Die wichtige Zusammenstellung von „Zeugnis, Mission und Dienst“ bleibt in Satz 2 erhalten.

Satz 2 über „Zeugnis, Mission und Dienst in Gemeinschaft mit anderen christlichen Kirchen und im Zeichen der Treue Gottes zum jüdischen Volk“ wurde unverändert übernommen aus der geltenden Kirchenverfassung. Dieser Satz wurde erst im November 2013 in die Verfassung aufgenommen nach einem ausführlichen Diskussionsprozess zum Verhältnis von Christen und Juden in einem Sonderausschuss der Landeskirche und in der Landessynode.


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16 Kommentare

  1. Abs. 1 spricht von der Erhaltung und Förderung der Verkündigung. Das setzt voraus, es gebe hier etwas, das konservierungsfähig vorhanden sei. Das halte ich für einen Trugschluss. Es kann nie nur um Erhaltung von Verkündigung gehen, sondern immer auch um ein neues und immer wieder gewagtes Geschehen. Nach Luthers erster der 95 Thesen ist das nicht denkbar ohne die ständige und immer neue Umkehr. Dieses immer neue Geschehen kommt hier nicht zum Ausdruck.

    Abs. 2 provoziert natürlich die Frage, nach welchen Kriterien hier die Handlungsfelder gewählt sind. Mission könnte man durch Gemeindeaufbau ergänzen, es wirkt etwas willkürlich.

  2. Ich teile die Meinung nicht, dass die Kirchengemeinden eine Abwertung erfahren, weder hier noch an anderer Stelle. Es geht aus meiner Sicht um eine veränderte Wahrnehmung von Kirche, die zu neuen Akzenten führt. Ich halte eher das Gegenüber oder Nebeneinander von „Landeskirche“ und „Kirchengemeinden“ in der alten Verfassung für problematisch. Das zeigt sich auch hier in der Diskussion, denn offenbar wird „Landeskirche“ im Entwurf als „landeskirchliche Ebene“ gehört. Dagegen ist der Begriff Landeskirche hier doch in einem umfassenden Sinn gemeint, so wie es in Artikel 3,4 noch einmal betont wird. Vielleicht sollte aber noch mal über den Begriff „kirchliches Leben“ nachgedacht werden, der hier in 1,2 ja kritisch hinterfragt wird – zu recht, denn das „vor allem“ leuchtet mir theologisch nicht ein. In 3,4, wird auch von den Formen kirchlichen Lebens gesprochen, da wäre ggf. auch zu überlegen, ob der Begriff „Landeskirche“ dort auftauchen sollte, um die Klammer zu 1,1 deutlicher zu betonen.
    Ich stimmte Frank Busse zu, in der Formulierung zeigt sich der Geist der neuen Verfassung. Und da geht es aus meiner Sicht nicht darum, die „Rangordnung auf den Kopf zu stellen“ und auch nicht darum, in erster Linie die (Kirchen-) Gemeinden zu stärken, sondern den Gemeindebegriff zu öffnen. Die Diskussionen, die es um virtuelle Gemeinden oder „Abendmahl online“ gibt, sind nur der Anfang von Entwicklungen, mit denen wir uns heute und in Zukunft theologisch befassen müssen, die Verfassung tut daher gut daran, eine möglichst offene Haltung gegenüber Traditionen und Neuentwicklungen zu formulieren.

  3. Leider kann man hier nur einzelne Artikel kommentieren, aber nicht den Geist dieser Verfassungsänderung. Dieser Geist zeigt sich aber bereits im ersten Artikel, wo gleich im ersten Abschnitt die Kirchengemeinden gestrichen worden sind. Und das zieht sich durch den gesamten Entwurf der neuen Verfassung. Überall werden die Kirchengemeinden zugunsten der Landeskirche und der Kirchenkreise in den Hintergrund gedrängt.
    Das halte ich für falsch. Die Kirchengemeinden sind der Ort der Verkündigung von Gottes Wort und der Feier der Sakramente. Landeskirche und Kirchenkreise sollen die Gemeinden dabei unterstützen. Dieser Verfassungsentwurf zielt aber darauf ab, die Kirchengemeinden durch übergeordnete Institutionen zu entmündigen oder zu ersetzen. An etlichen Stellen wird immer wieder deutlich, dass im Gegensatz zur bislang gültigen Verfassung die Rangordnung der Organisationseinheiten Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche auf den Kopf gestellt wird.
    Eine neue Verfassung sollte auf jeden Fall die Gemeinden stärken, ihnen mehr Kompetenzen und Verantwortung zubilligen. Vor allem Kirchenkreis und Landeskirche müssen sich stärker auf ihre Verwaltungs- und Servicekompetenz beschränken, bzw. diese zum Wohl der Gemeinden, und damit der Mitglieder, verstärken.
    Aus vorgenannten Gründen lehne ich die neue Verfassung ab. Angesichts der verfehlten Grundtendenz ist es auch mit einigen kleinen Korrekturen nicht getan. Ich bitte dringend darum, eine neue Fassung zu erarbeiten, die dem Ansatz einer Stärkung der Gemeinden vor Ort entspricht – oder die bisherige in Kraft zu lassen.

  4. Sprachlich ist Satz 1 mit den vielen „…ungs“ stilistisch unglücklich.
    Vorschlag: …ist verantwortlich für “ ( einmal ung weg)
    oder Handlungsverben: fördert und erhält ( dreimal ung weg)
    oder: Der Auftrag der Landeskirche, ihrer Kirchengemeinden, aller MitarbeiterInnen und Organe ist die Verkündigung des Wortes Gottes und die Feier der Sakramente auf der Grundlage des Evangeliums Christi.

  5. Dieser Artikel ist zu eng gefasst. es gibt viele ChristInnen, die sich ausserhalb der Strukturen „kirchlichen Lebens“ als ChristInnen einbringen und ihren Dienst tun: meine FeuerwehrkameradInnen ( unter dem Doppelgebot der Liebe: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr), in Rettungsdiensten, in Flüchtlingsinitiativen, Schulprojekten etc.pp. Sie tun das höchst selbstständig und nicht nur abgeleitet „in Wahrnehmung eines kirchlichen Auftrags“.
    Der Artikel wie unten das Gerede vom „kirchlichen Leben“ zeigt auch ein theologisches Defizit. Das Ganze ist eine fromm klingende Variante von Vereinsmeierei. Ein auf die eigene Organisation verengter Blickwinkel. Diese Welt braucht keine Kirche,die an sich denkt. Unser Herr Jesus Christus auch nicht ( so die Dienstanweisung der Waldenser). Eine Verfassung sollte für selbstständige ChristInnen dankbar sein, die sich ihren Platz für ihren Dienst suchen, auch ausserhalb des „kirchlichen Lebens“, auch ausserhalb der Bereiche „kirchlicher Verantwortung“.

  6. Artikel 1, 1 spricht von der Feier der Sakramente. Sicher klingt das weniger hölzern als die Formulierung Darreichung aus der geltenden Verfassung. Aber wäre mit CA 7 nicht auszudrücken, dass die Kirche mit den Sakramenten gemäß Gottes Auftrag etwas zu geben hat?

  7. Deutliche Unterstützung für den Kollegen Woltmann in seinem Votum. Die Kirchengemeinden erfahren in diesem Verfassungsentwurf insgesamt eine deutliche Abwertung:
    In Artikel 1 fehlen sie. Alle Untersuchungen sprechen eine andere Sprache und zeigen wie wichtig den Menschen die Gemeinde vor Ort ist.
    Der Kirchenkreis wird ohne eine innere Notwendigkeit verfassungsrechtlich aufgewertet.
    Personalgemeinden, Doppelmitgliedschaften werden vorgeschlagen ohne zu diskutieren, warum das denn nötig sein solle.

  8. Dass in Absatz 1 die Kirchengemeinden herausgefallen sind, ist kein gutes Zeichen für unsere Landeskirche!

  9. Sind Mitarbeiter eigentlich keine Mitglieder?

    • In der Tat nicht mehr zwingend der Fall.

  10. Die Reihung von „Gottesdienst“ bis „Kunst“ finde ich auch missverständlich. Verkündigung und Zeugnis sind das Eigentümliche eines Gottesdienstes – in der Auseinandersetzung mit Kunst schwingt das Bekenntnis allenfalls mit. Die Auseinandersetzung mit Kunst ist aus andern Gründen lebenswichtig für die Kirche – weil es dabei ja um die genauere Wahrnehmung der Welt wie sie ist geht.
    Könnte man nicht einfacher schreiben: „Das Evangelium wird in Wort und Tat verkündigt und bezeugt in verschiedenen Dimensionen kirchlichen Handelns. Dazu gehören Gottesdienst und Kirchenmusik, Mission, Seelsorge und Diakonie, Bildungsarbeit und die Begegnung mit Kunst.“

  11. Schön, dass lt. Absatz 1 nun alle Mitarbeitenden und Mitglieder (nicht mehr nur die Amtsträger und Organe) für die Gottesdienstfeier und Sakramentsverwaltung zuständig sind. Schade, dass die (Orts-)Kirchengemeinden wegfallen und alles auf „die Landeskirche“ zentralisiert wird.

  12. Im zweiten Absatz wird die unterschiedliche Bedeutung der Aufzählung der Dimensionen kirchlichen Handels und der zusammenfassenden drei Begriffe „Zeugnis, Mission und Dienst“ nicht bzw. erst durch die Erläuterung klar. Die drei Begriffe könnten auch als Einschränkung verstanden werden, da „Mission“ auch in der Einzelaufzählung vorkommt (wird z.B. Kirchenmusik nicht in Gemeinschaft mit anderen Konfessionen gesehen?).
    Außerdem ist die Aufzählung so lang, dass sie Vollständigkeit suggeriert; bei dem „vor allem“ fragt man sich, welche Dimensionen noch fehlen könnten.
    Meiner spontanen Wahrnehmung nach finden sich in den Begriffen Formen oder Ansätze wie in der Kinder- und Jugendarbeit, das klassische gemeinsame Bibellesen / Hauskreise oder Glaubenskurse hier nicht so gut wieder.

  13. Bildung und Kunst, insbesondere Kunst, sind mir an dieser Stelle zu hoch aufgehängt. Sicher nicht unwichtig, aber keinesfalls unverzichtbar.

    Ohnehin zementieren viele der künstlerischen Veranstaltungen und Engagements nur die eher bildungsbürgerlich-elitäre Ausrichtung der real existierenden Kirche.

    Auch bei der „Mitverantwortung für Gesellschaft und öffentliches Leben“ (an dieser hervorgehobenen Stelle) beschleicht mich Unbehagen. Soll da nicht nur die schwindende öffentliche Bedeutung einer schrumpfenden Kirche krampfhaft festgehalten werden?
    Für mich gehört das eher in die mit den Zeiten wechselnde Auslegung von „Verkündigung“ als in die Grundnormen der Verfassung.

  14. Die Aufzählung der Bezeugung des Evangeliums wirkt auf mich etwas holperig…
    Gottesdienst, Seelsorge, Diakonie, Bildung/Pädagogik sind doch wohl die Klassiker… Kirchenmusik ist wie das Gebet unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Gottesdienstes, ansonsten gehört sie für mich eher in die Nähe von Kunst…

  15. „jüdisches Volk“…wäre nicht Menschen jüdischen Glaubens passender?