(1) Agenden, Gesangbücher, Perikopenordnungen und Katechismen der Landeskirche oder eines Zusammenschlusses nach Artikel 4 Absatz 1 oder 2 werden durch übereinstimmende Beschlüsse von Bischofsrat und Landessynode sowie mit Zustimmung der Landesbischöfin oder des Landesbischofs eingeführt, geändert, zum Gebrauch empfohlen oder freigegeben. Vor der Beschlussfassung ist den Kirchenkreisen und Kirchengemeinden Gelegenheit zur Stellungnahme oder Erprobung zu geben.

(2) Die Kirchengemeinden nehmen neu eingeführte oder geänderte Agenden, Gesangbücher, Perikopenordnungen und Katechismen durch übereinstimmende Beschlüsse von Pfarramt und Kirchenvorstand in Gebrauch.

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Artikel 123

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Erläuterungen zu Artikel 70

Artikel 70 enthält die Regelungen über das sog. ius liturgicum, also die Befugnis, Regelungen für die Ordnung von Gottesdiensten zu schaffen.

 

 

 

 

Allgemein

Das ius liturgicum steht nach lutherischem Verständnis originär keiner Person, keinem Amt oder Organ in der Kirche allein zu, sondern es muss im Konsens wahrgenommen werden. Das spiegelt sich u.a. darin wieder, dass die Ordnung des Gottesdienstes und der Amtshandlungen auf der Ebene der Kirchengemeinde nach Artikel 21 Absatz 3 Nummer 1 in die gemeinsame Zuständigkeit von Kirchenvorstand und Pfarramt fällt. Artikel 70 befasst sich im Sinne des Konsensprinzips in liturgischen Fragen einerseits mit dem Zusammenwirken der landeskirchlichen Organe und andererseits mit dem Zusammenwirken der Handlungsebenen Landeskirche, Kirchenkreis und Kirchengemeinde bei der Einführung oder Veränderung von Agenden, Gesangbüchern, Perikopenordnungen und Katechismen.

Artikel 70 entspricht weitgehend dem Artikel 123 der bisherigen Verfassung. Veränderungen wurden bei folgenden Punkten vorgenommen:

  • Die neue Fassung lässt nach wie vor Raum für landeskirchliche Ordnungen. Sie berücksichtigt aber, dass Ordnungen für den Gottesdienst mittlerweile meist von der VELKD beschlossen und dann von der Landeskirche übernommen werden.
  • Im Blick auf die anstehende Veränderung der in den Gottesdiensten zu verwendenden Bibeltexte wurden Perikopenordnungen ausdrücklich in den Anwendungsbereich der Vorschrift einbezogen.
  • Die Mitwirkung des Kirchensenats ist entfallen.
  • In ein Stellungnahmeverfahren werden jetzt auch die Kirchengemeinden einbezogen.
  • Anstelle eines förmlichen Stellungnahmeverfahrens wird jetzt auch ein Erprobungsverfahren ermöglicht, wie es zuletzt im Rahmen der Perikopenrevision praktiziert wurde. Bei diesem Verfahren hatten die beteiligten Kirchengemeinden die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit den erprobten Texten direkt online der VELKD zu übermitteln.


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