(1) Die Theologische Fakultät der Universität Göttingen und die Institute für evangelische Theologie an anderen staatlichen Hochschulen im Bereich der Landeskirche nehmen als Stätten theologischer Forschung und Lehre im Rahmen der gemeinsamen Angelegenheiten von Kirche und Staat nach Artikel 5 Absatz 3 kirchliche Aufgaben wahr und wirken mit der Landeskirche zusammen.

(2) Die Theologische Fakultät der Universität Göttingen nimmt insbesondere folgende kirchliche Aufgaben wahr:

  1. Sie verantwortet die wissenschaftliche Ausbildung von Pastorinnen und Pastoren sowie Religionslehrkräften.
  2. Ihre Mitglieder beteiligen sich an der Durchführung der Theologischen Prüfungen.
  3. Sie berät die Landeskirche durch wissenschaftliche Gutachten.
  4. Sie entsendet eines ihrer Mitglieder in die Landessynode.

(3) Die Institute für evangelische Theologie an anderen staatlichen Hochschulen im Bereich der Landeskirche verantworten die wissenschaftliche Ausbildung von evangelischen Religionslehrkräften und beraten die Landeskirche durch wissenschaftliche Gutachten.

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Erläuterungen zu Artikel 65

Die Regelungen des Artikels 65 beschreiben das Verhältnis der Landeskirche zur Theologischen Fakultät der Universität Göttingen und zu den Instituten für evangelische Theologie an den staatlichen Universitäten in Hannover, Hildesheim, Lüneburg und Osnabrück ein.

 

 

 

 

Allgemein

Diese Regelungen, die sich insbesondere an Artikel 79 der Verfassung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland orientieren, sollen die kirchlichen Aufgaben der Theologischen Fakultät in Göttingen und der anderen Institute für evangelische Theologie zusammenfassend erläutern und die Bedeutung dieser Einrichtungen für die Arbeit der Landeskirche hervorheben.

Theologie ist der Inbegriff derjenigen wissenschaftlichen Kenntnisse und Kunstregeln, ohne deren Besitz und Gebrauch eine zusammenstimmende Leitung der christlichen Kirche nicht möglich ist (F. Schleiermacher). Daher hat die theologische Wissenschaft eine besondere Verantwortung für die Aufgabe der Kirchenleitung. Diese kommt insbesondere zum Ausdruck durch die theologische und religionspädagogische Ausbildung und Prüfung, durch wissenschaftliche Gutachten, durch die Beteiligung am Diskurs in der Kirche und auch durch vielfältige Vorträge im kirchlichen Bereich.

Artikel 65 nimmt, wie bereits in den einleitenden Anmerkungen zu Teil 5 erwähnt, innerhalb dieses Teils der Verfassung eine Sonderstellung ein. Denn sowohl die Fakultät in Göttingen als auch die anderen Institute sind als staatliche Einrichtungen nicht in die rechtliche Struktur der Landeskirche eingegliedert. Wegen ihrer in den Absätzen 2 und 3 genannten kirchlichen Aufgaben, die sie im Rahmen der gemeinsamen Angelegenheiten von Kirche und Staat (Artikel 5 Absatz 3) wahrnehmen, stehen sie aber in einer besonderen Verbindung zur Landeskirche. Das Grundgesetz gewährleistet der Landeskirche in diesem Rahmen besondere Mitwirkungsrechte insbesondere bei der Besetzung der Lehrstühle, die in den Artikeln 3 und 4 des Loccumer Vertrages näher entfaltet werden.


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2 Kommentare

  1. Hat die Landeskirche nichts mehr mit der ehemals Ev. Fachhochschule zu tun?

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  2. „Im Vikariat erlebte ich, dass die meisten meiner KollegInnen niemals mit der Frage nach der Beziehung von Juden und Christen für ihre Theologie und ihren Glauben konfrontiert wurden oder sie sich diese selbst gestellt hätten. (…) Ich musste für solche Lernprozesse in der Regel aus der Universität ausziehen.“ (Vikarin Aline Seel in: Deutsches Pfarrerblatt, Heft 8 / 2017, 117. Jhg., S. 467)

    Auch in unserer Landeskirche ist es möglich, „ein Theologiestudium abzuschließen, ohne sich auch nur in einem Semester mit dem christlich-jüdischen Verhältnis beschäftigt zu haben oder mit jüdischer Theologie. Da sagen wir ganz klar, das halten wir für nicht tragbar.“
    (Dr. Irmgard Schwaetzer, Präses der EKD-Synode in ihrem Geleitwort zur epd-Dokumentation Nr.21 / Mai 2017: Reform der Reformation. Zum Stand und Stellenwert jüdisch-christlicher Lehrinhalte in der theologischen Ausbildung, S.4.)

    „Wir stellen uns in Theologie und Kirche der Herausforderung, zentrale theologische Lehren der Reformation neu zu bedenken und dabei nicht in abwertende Stereotype zu Lasten des Judentums zu verfallen.“
    Auch angesichts dieser Selbstverpflichtung, die die EKD während ihrer November-Synode von 2015 eingegangen ist, scheint es überfällig, die theologische Ausbildung von zukünftigen Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakonen sowie von Religionslehrkräften im Horizont des christlich-jüdischen Verhältnisses zu reformieren.

    Wäre es nicht möglich, damit an der Theologischen Fakultät in Göttingen zu beginnen?

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