(1) Die Landessynode, der Landessynodalausschuss, die Landesbischöfin oder der Landesbischof, der Bischofsrat und das Landeskirchenamt leiten die Landeskirche in arbeitsteiliger Gemeinschaft und gegenseitiger Verantwortung. Sie tragen in je eigener Weise gemeinsam Verantwortung für die Einheit der Kirche, die Ausrichtung aller kirchlichen Arbeit an Schrift und Bekenntnis und das Zeugnis des Evangeliums in Wort und Tat in der Öffentlichkeit.

(2) Sie sorgen in Fragen von grundsätzlicher Bedeutung für eine einheitliche Willensbildung unter den kirchenleitenden Organen. Sie können die Bildung gemeinsamer Ausschüsse vereinbaren.

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Erläuterungen zu Artikel 42

Artikel 42 Absatz 1 Satz 1 enthält die abschließende Aufzählung der kirchenleitenden Organe in neuer Reihenfolge.
Allgemein

Die beiden synodalen Organe stehen nunmehr am Anfang der Aufzählung. Hierdurch soll das aus dem allgemeinen Priestertum aller Getauften folgende partizipative Element, das die evangelischen Kirchen in besonderer Weise auszeichnet, hervorgehoben werden. Satz 2 beschreibt das notwendige Zusammenwirken aller kirchenleitenden Organe mit der in neueren Kirchenverfassungen und Grundordnungen geläufigen Formel der „arbeitsteiligen Gemeinschaft und gegenseitigen Verantwortung“ (vgl. zum Beispiel EKM, Nordkirche). Hierdurch werden die Gedanken des kirchlichen Auftrags, dem nach Artikel 1 alle dienen, der Dienst- und Zeugnisgemeinschaft, der nach Artikel 3 Absatz 4 alle verbunden sind, und der Leitung in geistlich und rechtlich unaufgebbarer Einheit, zu der gemäß Artikel 6 Absatz 2 alle verpflichtet sind, auf das landeskirchliche Leitungshandeln bezogen.

Satz 3 fächert diese gemeinsame Verantwortung für die Kernbereiche des kirchlichen Auftrags auf und stellt damit klar, dass es in diesen Bereichen im Verhältnis der kirchenleitenden Organe keine Zuständigkeitsvorbehalte gibt.

Die Einheit der Kirche, die Ausrichtung aller kirchlicher Arbeit an Schrift und Bekenntnis sowie das öffentliche Zeugnis des Evangeliums in Wort und Tat bestimmen das Handeln der verschiedenen kirchenleitenden Organe mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen, Zuständigkeiten, Aufgaben und Befugnissen von daher eher im Sinne einer „Gewaltenverschränkung“ statt einer strikten „Gewaltenteilung“.

Diese gemeinsame Aufgabenwahrnehmung bedingt jedoch eine gute Abstimmung. Insbesondere bei Fragen von grundsätzlicher Bedeutung muss gewährleistet werden, dass alle kirchenleitenden Organe auf je ihre eigene Weise in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Den einzelnen kirchenleitenden Organen kommt mit Blick auf die gemeinsame Willensbildung eine größere Bedeutung und Verantwortung zu. Absatz 2 unterstreicht für diese Fälle daher nochmals den Willen zur Gemeinsamkeit und zum Konsens. Auf welchem Wege die genannten Organe untereinander für eine einheitliche Willensbildung sorgen, lässt die Verfassung offen. Satz 2 eröffnet allerdings ausdrücklich die Möglichkeit, für die Bearbeitung von einzelnen Themen gemeinsame Ausschüsse zu vereinbaren. Damit soll der bisherigen Praxis Rechnung getragen werden, dass zu besonderen Themen und Fachbezügen nach Abstimmung und Übereinkunft unter den kirchenleitenden Organen besondere Ausschüsse eingesetzt worden sind, die ihren Auftrag anlassbezogen und zeitlich befristet erledigt haben. Alle Organe sind hieran in gleichwertiger und repräsentativ angemessener Weise zu beteiligen.


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1 Kommentar

  1. Der Organstatus des Bischofsrates leuchtet mir nicht ein.
    Meines Erachtens könnte der Art 57 in Art 55 integriert werden. Der Bischofsrat hat beratende Funktion – die eigene Beschlussfassung über Agenden (Art 70) ist nicht zwingend – die Beteiligung kann auch über die Beratung des Landesbischofs bzw. der Landesbischöfin erfolgen.
    Ich verstehe den Bischofsrat parallel zur Ephorenkonferenz bzw. dem Ephorenkonvent:
    Kurz: Ich würde ihn nicht in diesem Artikel erwähnen.

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