(1) Die Superintendentin oder der Superintendent nimmt eigenständige Leitungsaufgaben im Kirchenkreis wahr und sorgt für eine theologisch verantwortete Leitung des Kirchenkreises. Als vorsitzendes Mitglied des Kirchenkreisvorstandes trägt sie oder er gleichzeitig Verantwortung dafür, dass der Kirchenkreisvorstand seine Leitungsaufgaben wahrnimmt. Sie oder er sorgt für das sachgerechte Zusammenwirken aller an der Leitung des Kirchenkreises Beteiligten.

(2) Die Superintendentin oder der Superintendent vertritt den Kirchenkreis in der Öffentlichkeit. Sie oder er gibt Anregungen für das kirchliche Leben im Kirchenkreis und fördert die theologische Arbeit.

(3) Die Superintendentin oder der Superintendent führt Pastorinnen und Pastoren sowie andere Mitarbeitende im Kirchenkreis in ihr Amt ein, begleitet sie in ihrem Dienst und nimmt ihnen gegenüber Aufgaben der Dienstaufsicht wahr. Sie oder er visitiert die Kirchengemeinden und andere kirchliche Körperschaften im Kirchenkreis.

(4) Durch Kirchengesetz kann vorgesehen werden, dass einzelne Aufgaben zur selbständigen Wahrnehmung auf Pastorinnen und Pastoren, auf Mitglieder des Kirchenkreisvorstandes oder auf andere Mitarbeitende im Kirchenkreis übertragen werden können.

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Artikel 53

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Erläuterungen zu Artikel 37

Artikel 37 beschreibt die Aufgaben der Superintendentin oder des Superintendenten.
Allgemein
Die Regelungen knüpfen an Artikel 53 der bisherigen Verfassung an, versuchen aber die Veränderungen im Profil des Superintendentenamtes aufzunehmen, die sich seit 1965 vollzogen haben und die bisher nicht in den Bestimmungen der Verfassung zum Ausdruck kommen. Gleichzeitig sind sie bewusst so weit gefasst, dass sie genügend Raum für künftige Veränderungen lassen.
Absatz 1

Absatz 1 stellt klar, dass das Superintendentenamt ein Leitungsamt ist, das sowohl geistliche als auch andere Leitungsaufgaben, letzteres vor allem als vorsitzendes Mitglied im Kirchenkreisvorstand, umfasst. Mit den Aufgaben, für das sachgerechte Zusammenwirken aller an der Leitung des Kirchenkreises Beteiligten zu sorgen (Absatz 1 Satz 3), Anregungen für das kirchliche Leben im Kirchenkreis zu geben (Absatz 2 Satz 2), Pastorinnen und Pastoren sowie andere Mitarbeitende in ihrem Dienst zu begleiten (Absatz 3 Satz 1) und die kirchlichen Körperschaften im Kirchenkreis zu visitieren (Absatz 3 Satz 2), nimmt die Superintendentin oder der Superintendent geistliche Leitungsaufgaben wahr und trägt besondere Verantwortung für die Einheit der Kirche.

Allein schon wegen dieser Verantwortung, aber auch wegen der Bedeutung des Kirchenkreises als eigenständige Gestalt von Kirche (siehe die Erläuterungen zu Artikel 29) profiliert Artikel 37 das Superintendentenamt bewusst als theologisches Leitungsamt, dem die Aufgabe obliegt, die theologische Arbeit im Kirchenkreis zu fördern (Absatz 2 Satz 2) und für eine theologisch verantwortete Leitung des Kirchenkreises zu sorgen (Absatz 1 Satz 1). Diese Beschreibung knüpft an die Regelungen über die Aufgaben des Pfarramtes in Artikel 23 an. Entsprechend dem Charakter eines Leitungsamtes stellt die Formulierung „sorgt für eine theologisch verantwortete Leitung des Kirchenkreises“ allerdings klar, dass die Aufgabe der Superintendentin oder des Superintendenten nicht nur darin besteht, die eigene theologische Kompetenz in die Arbeit des Kirchenkreises und seiner Gremien einzubringen. Denn in diesen Gremien sind stets auch andere Ordinierte vertreten. Die Aufgabe der Superintendentin oder des Superintendenten besteht vielmehr auch und gerade darin, Anstöße dafür zu geben, dass andere ihre theologische Kompetenz einbringen und insbesondere im Pfarrkonvent in einen kollegialen Austausch eintreten.

Die vorgeschlagene Regelung hält daran fest, dass die Superintendentin oder der Superintendent kraft Amtes auch den Vorsitz im Kirchenkreisvorstand innehat. Eine Trennung zwischen dem eigenständigen, nicht nur, aber wesentlich theologisch geprägten Leitungsamt und dem Vorsitz im Kirchenkreisvorstand, wie sie auf der Ebene der Kirchengemeinde seit langem möglich ist und auch tatsächlich praktiziert wird, wäre zwar denkbar. Sie würde auch der gewachsenen Bedeutung des Ehrenamtes entsprechen und würde es der Superintendentin oder dem Superintendenten möglicherweise erlauben, sich stärker auf Leitungsaufgaben zu konzentrieren, für die gerade die theologische Kompetenz von Bedeutung ist. Diesen Erwägungen steht aber die Beobachtung gegenüber, dass die Leitung des Kirchenkreisvorstandes allein von ihrem Inhalt und Umfang so ausgestaltet ist, dass sie eine hauptamtliche Wahrnehmung erforderlich macht, die auch mit einer entsprechenden dienstrechtlichen Verantwortlichkeit verknüpft ist. Um Möglichkeiten der Entlastung, aber auch der bewussten Schwerpunktsetzung für Superintendentinnen und Superintendenten zu eröffnen, enthält Absatz 4 allerdings eine Öffnungsklausel, die es gestattet, im Rahmen einer kirchengesetzlichen Regelung Möglichkeiten zur Delegation einzelner Aufgaben zu schaffen. Die Formulierung von Absatz 4 eröffnet dabei bewusst Delegationsmöglichkeiten, die über den zurzeit in § 56 Absatz 3 der Kirchenkreisordnung eröffneten Rahmen hinausgehen. Nach dieser Formulierung wäre es neben der Delega-tion von Aufgaben auf stellvertretende Superintendentinnen und Superintendenten oder andere Mitarbeitende (z. B. Diakoniepastoren/innen oder Öffentlichkeitsbeauftragte) z.B. möglich, besonders dafür qualifizierte ehrenamtliche Mitglieder des Kirchenkreisvorstandes oder Mitarbeitende des Kirchenamtes mit der selbständigen Wahrnehmung von Aufgaben im Bereich der Vermögensaufsicht oder des Gebäudemanagements zu beauftragen.


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3 Kommentare

  1. zu Absatz 3 – Es wäre gut, wenn die Berufsgruppen klar genannt werden. Das Priestertum aller Gläubigen ist erwähnt worden, aber hier ist immer die Rede von PastorInnen und anderen kirchlichen Mitarbeitenden. Sind PastorInnen keine kirchlichen Mitarbeitenden? Ich denke doch!
    Also: entweder alle Berufsgruppen erwähnen (PastorInnen, DiakonInnen, KirchenmusikerInnen, SozialpädagogInnen, etc…..) oder alle als Mitarbeitende zusammenfassen.
    Das Erwähnen der Berufsgruppen hat auch etwas mit Wertschätzung derselben zu tun.

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  2. Zu Absatz 2 Satz 1 dieses Artikels schlägt der KKT-Vorstand Wesermünde diese Formulierung vor:
    Die Superintendentin oder der Superintendent vertritt den Kirchenkreis gemeinsam mit dem Vorstand der Kirchenkreissynode in der Öffentlichkeit.

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  3. Der vom KKT-Vorstand Wesermünde vorgeschlagenen Ergänzung zu Artikel 36 (siehe dort) müssten Satz 2 und 3 im Entwurfstext gestrichen werden, weil diese Formulierung in die Ergänzung zu Artikel 36 aufgenommen wurde.

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