(1) Der Kirchenvorstand ist berufen, gemeinsam mit dem Pfarramt das geistliche Leben der Kirchengemeinde zu gestalten, insbesondere durch regelmäßige Teilnahme und Mitwirkung am Gottesdienst sowie durch Förderung der missionarischen, diakonischen, seelsorglichen und pädagogischen Aufgaben.

(2) Der Kirchenvorstand sorgt dafür, dass die Kirchengemeinde ihren Verpflichtungen nachkommt und ihre Rechte wahrt. Er vertritt die Kirchengemeinde im Rechtsverkehr. Er hat insbesondere folgende Aufgaben:

  1. Er beschließt über Satzungen der Kirchengemeinde.
  2. Er wirkt an der Besetzung von Pfarrstellen mit.
  3. Er stellt beruflich Mitarbeitende der Kirchengemeinde an und führt die Dienstaufsicht über sie.
  4. Er beauftragt ehrenamtlich Mitarbeitende.
  5. Er unterstützt beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitende bei der Ausübung ihres Dienstes und sorgt für ihre persönliche und fachliche Begleitung.
  6. Er verwaltet das Vermögen der Kirchengemeinde und entscheidet über die Nutzung ihrer Gebäude.
  7. Er ist dafür verantwortlich, dass kirchliche Abgaben erhoben und ihrem Zweck entsprechend verwendet werden.
  8. Er stellt den Haushaltsplan und den Jahresabschluss der Kirchengemeinde auf.
  9. Er wirkt an der Bildung der Kirchenkreissynode und der Landessynode mit.

(3) Für folgende Aufgaben ist der Kirchenvorstand gemeinsam mit dem Pfarramt zuständig:

1. die Ordnung des Gottesdienstes und der Amtshandlungen,
2. die Ordnung der Konfirmandenarbeit,
3. die Erhebung und Abführung der Kollekten,
4. Entscheidungen über die Nutzung der für den Gottesdienst bestimmten Räume,
5. Entscheidungen über Schwerpunkte der Gemeindearbeit.

(4) Im Rahmen einer regionalen Zusammenarbeit kann die Wahrnehmung der Aufgaben des Kirchenvorstandes aufgrund eines Kirchengesetzes ganz oder teilweise auf das Vertretungsorgan einer anderen kirchlichen Körperschaft übertragen werden.

(5) Solange ein beschlussfähiger Kirchenvorstand nicht vorhanden ist, nehmen der Kirchenkreisvorstand oder von ihm Bevollmächtigte längstens bis zur allgemeinen Neubildung der Kirchenvorstände die Aufgaben und Befugnisse des Kirchenvorstandes vertretungsweise wahr.

Bisherige Artikel

Artikel 44,45 & 46

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Erläuterungen zu Artikel 21

Artikel 21 beschreibt die wichtigsten Aufgaben des Kirchenvorstandes; weitere Einzelheiten werden in der Kirchengemeindeordnung geregelt.
Absatz 1
Absatz 1 benennt zunächst die geistlichen Leitungsaufgaben des Kirchenvorstandes und damit auch geistliche Erwartungen an Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher. Absatz 2 beschreibt die Verwaltungsaufgaben und Absatz 3 die Aufgaben, für die Kirchenvorstand und Pfarramt gemeinsam verantwortlich sind. Eine systematische Darstellung der Aufgaben des Kirchenvorstandes ist neu; in der bisherigen Verfassung sind in den Artikel 44 und 45 nur einzelne Aufgaben des Kirchenvorstandes geregelt.
Absatz 4
Absatz 4 enthält die verfassungsrechtliche Ermächtigungsgrundlage für die Bestimmungen des Kirchengesetzes über die regionale Zusammenarbeit von Kirchengemeinden, nach denen in Gesamtkirchengemeinden der von allen Mitgliedern der beteiligten Ortskirchengemeinden gewählte Gesamtkirchenvorstand die Aufgaben der örtlichen Kirchenvorstände wahrnehmen kann. Eine ähnliche Regelung enthält auch Artikel 40 Absatz 1 der bisherigen Verfassung.
Absatz 5

Absatz 5 enthält eine Regelung für den Fall, dass eine Kirchengemeinde keinen beschlussfähigen Kirchenvorstand hat. Anders als nach Artikel 46 der jetzigen Verfassung ist eine Wahrnehmung der Aufgaben des Kirchenvorstandes durch den Kirchenkreisvorstand oder dessen Bevollmächtigte jedoch nur bis zur nächsten allgemeinen Kirchenvorstandswahl zulässig. Das soll den Ausnahmecharakter dieser Regelung unterstreichen und verhindern, dass eine für besondere Notlagen gedachte Regelung auf Dauer gestellt wird. Wenn auch nach einer Neubildung der Kirchenvorstände kein beschlussfähiger Kirchenvorstand zustande kommt, ist es konsequenter, die betroffene Kirchengemeinde ggf. mit einer anderen Kirchengemeinde zusammenzulegen oder in eine Gesamtkirchengemeinde zu integrieren.


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20 Kommentare

  1. Nach Artikel 21, 3 1. ist der Kirchenvorstand mit dem Pfarramt für die Ordnung auch der Amtshandlungen zuständig. Allerdings sollte eine Amtshandlung vom Pfarramt verantwortet werden. Den dieses hat im Zweifelsfall die Gewissensentscheidung zu tragen.

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  2. Artikel 21, 2 gewährt dem Kirchenvorstand das Recht an der Pfarrstellenbesetzung mitzuwirken. Artikel 44, 2 der geltenden Verfassung beschreibt die Pfarrstellenbesetzung als Aufgabe des Kirchenvorstandes. Aus Pflicht und Recht dieses Organs wird eine eingeschränkt zuerkannte Mitsprache. Damit wird die reformatorische Errungenschaft, dass die Gemeinde Verantwortung für die Besetzung ihrer Pfarrstelle hat, aufgehoben.
    Es wundert nicht, dass auch das Kirchensteuerrecht der Gemeinden aus Artikel 45 und damit zumindest die Erinnerung an eine Art Souveränitätsrecht der Kirchengemeinden entfällt. Entsprechend geht mit Artikel 27, 2 der geltenden Verfassung auch die Einsicht verloren, dass die Gemeinden die Landeskirche tragen. Sie sind also die Substanz, auf dem ein kirchlicher Überbau aufbaut und gegenüber der er sich verantworten muss.

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  3. Anmerkung zu Artikel 21, Absatz 2 und 3:
    Unserem Verständnis nach sind Pastorinnen und Pastoren qua Amt Mitglieder des Kirchenvorstandes. Wir fragen daher an, weshalb die genannten Absätze zwischen exklusiven Aufgaben des Kirchenvorstandes und gemeinsamen Aufgaben von Kirchenvorstand und Pfarramt unterscheiden.

    Anmerkung zu Artikel 21, Absatz 2, Nummer 7:
    Wir fragen an, welche verpflichtenden Abgaben ein Kirchenvorstand erheben darf und kritisieren diese Möglichkeit, da wir der Meinung sind, dass jedwede finanzielle Zuwendung an die Kirche, die über die Kirchensteuer hinausgeht, auf freiwilliger Basis geschehen soll.

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  4. Warum findet in Abschnitt 2 das Pfarramt keine Erwähnung, während hingegen in Abschnitt 3 im Hinblick auf die inhaltliche Gestaltung des Gemeindelebens das Pfarramt explizit genannt wird. Abschnitt 1 spricht sich ausdrücklich von der gemeinsamen Gestaltung des Gemeindelebens! Hier sehe ich auch einen qualitativen Unterschied zu Artikel 23.

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  5. Die Bezeichnung „Gemeinsame Gestaltung“ sollte präzisiert werden. Um die in der Verfassung angestrebte Gleichstellung von Pfarramt und Ehrenamt zu unterstreichen, könnte die Leitungsaufgabe des Pastors/der Pastorin definiert werden als „Leitung als Ermöglichung zur Partizipation“.

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  6. Sollten hier Menschen mitlesen, die Interesse an einer Kandidatur zum Kirchenvorstand haben und sie die hier hochgehaltenen Tugenden nicht zu 100% Prozent erfüllen, so bitte ich sie, doch zu kandidieren. Ich kenne keine Personen, die in allen Bereichen unfehlbar sind. Außerdem wächst man an seinen Aufgaben. Schließen sie sich nicht vorher selbst aus, wenn sie denken, man darf nur so und nicht anders handeln.

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  7. Ich schließe mich einem der Vorkommentare an: die detaillierten Listen sind überflüssig und gehören hier nicht hin, sondern in die KGO.

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  8. Art 21.2.7. sollte ersetzt oder geeignet ergänzt werden denn „erhoben“ werden zB. Spenden sicherlich nicht. Zukünftig wird Fundraising jedoch immer wichtiger. Also vielleicht in diese Richtung:
    Der Kirchenvorstand ist zur Sicherung der Gemeindearbeit verantwortlich für die Gewinnung von materiellen wie immateriellen Ressourcen wie z.B. ehrenamtlichen/freiwilligen Engagements und finanzieller Zuwendungen (Spenden, Stiftungen).

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  9. In Art 21. 2.4. sollte wie an anderen Stellen in der Verfassung ergänzt werden:
    „und freiwillig“ „und freiwillig Engagierte“. Denn schon jetzt wie erst recht zukünftig werden mehr Menschen sich als Freiwillige/Engagierte und weniger als Ehrenamtliche verstehen.

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  10. Ich denke, dass dieser und andere Artikel gar nicht in der Verfassung auftauchen sollten. Diese Regelungen sind in der Kirchengemeindeordung KGO etc. geregelt, bei Änderungen wäre eine Verfassungsänderung herbeizuführen?
    In einer Verfasssung stehen die Grundzüge – diese Kleinteiligkeit ist hier nicht hilfreich.

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  11. Absatz 3 scheint mir sehr detailliert für eine Verfassung. Außerdem fürchte ich, dass ehrenamtliche KVs mit dem einen oder anderen Punkt überfordert sein könnten, z.B. mit der fachlichen Begleitung beruflich Mitarbeitender oder der Aufstellung des Jahresabschlusses.

    Verantwortung für die Erhebung kirchlicher Abgaben? Mit der Kirchensteuer als wichtigster Abgabe hat der KV bspw. überhaupt nichts zu tun.

    Die – deklaratorische, nicht einklagbare – Aufforderung zur Teilnahme am Gottesdienst ist für mich zumindest in Ordnung, vielleicht sogar gut. Der Gottesdienst ist (sollte sein?) nun einmal der Mittelpunkt des kirchengemeindlichen Lebens; manchmal gerät das aber ein wenig in Vergessenheit…

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  12. Ich erlebe Kirchenvorsteher/innen, die ihre Aufgabe nicht primär im Besuch und in der Mitwirkung an Gottesdiensten sehen, sondern in der Übernahme von Verantwortung für Verwaltung, Finanzen, Bausachen. Sollen diese Aktiven nicht Mitglied im KV sein dürfen, wenn sie nicht „regelmäßig“ am Gottesdienst teilnehmen? Und überhaupt: Was heißt „regelmäßig“? Heißt regelmäßig auch „jedes Jahr an Heiligabend“? Ich würde dieses Wort streichen.

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    • Sollte es wirklich nicht mehr genügend Kirchenvorsteher/innen geben, die beides verkörpern, fachliche Kompetenz und inhaltliche Identifikation, zu der auch eine Teilnahme am kirchlichen Leben gehört. Wenn inhaltliche Identifikation nicht mehr wichtig ist, wird Kirche irgendwann keine Kirche mehr sein, weil das, was sie ist oder sein könnte, bei den Entscheidungsträgern keine Rolle mehr spielt. Natürlich kann es nicht um eine Zahl von besuchten Gottesdiensten wie bei Konfirmand/innen gehen, sehr wohl aber um ein klares Bekenntnis zur Kirche, zu der die Beteiligung am kirchlichen Leben gehört.

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      • Nun, die Personen, dir sich zur Wahl stellen haben damit schon ein sehr klares Bekenntnis zur Kirche abgelegt. Und wer dann gewählt wird und diese Wahl annimmt hat dann noch einmal das klare Bekenntnis zur Kirche gezeigt.
        Ich denke, in der heutigen Zeit ist es sehr gut Menschen zu haben, die ihre speziellen Fachkenntnisse in die Kirchengemeinde einbringen. Und diese Kenntnisse haben nicht alle Gemeindemitglieder. Und da es sicher viele Gemeindemitglieder gibt, die sich gerne in die Kirche einbringen möchten ohne eine offizielles Amt zu übernehmen, kann man doch so wunderbar eine Arbeitsteilung vornehmen.
        Es ist dann also auch möglich, dass manche Kirchenvorstände nicht überall so präsent sind.
        Ich sehe darin überhaupt kein Problem.

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        • Das Problem eines Kirchenvorstehers, der nur zu seiner Wahl geistlich in Erscheinung treten will, ist es, dass er ab diesem Zeitpunkt geistliche Entscheidungen trifft. Auf welcher Grundlage soll dies geschehen, wenn er das geistliche Leben nicht teilt? Als Kirchenvorsteher/innen gesucht werden nicht bestimmte Fachleute, sondern geistliche Persönlichkeiten.

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          • Geschrieben habe ich nicht, dass ein Kirchenvorsteher nur zu seiner Wahl geistlich in Erscheinung titt. Ich habe auch nicht geschrieben, dass ein gewählte Kirchenvorsteher/in das geistliche Leben nicht teilt.
            Geschrieben habe ich, dass es also auch möglich ist, dass manche Kirchenvorstände nicht überall so präsent sind. Und damit habe ich nicht etwa von einer Verweigerung einer kirchlichen Mitarbeit gesprochen, wie es in dem vorherigen Beitrag den Anschein hat.
            Auch sind die einzelnen Gemeinden doch in vielen Dingen durchaus verschieden, was ja auch für das gemeindliche Leben positiv sein kann.

          • Ich finde, wer keine Zeit hat oder aufbringen möchte, in einer Gemeinde präsent zu sein, sollte nicht als Kirchenvorsteher/in kandidieren. Fachliche Fähigkeiten kann man einer Gemeinde immer anbieten. Dazu muss man kein Kirchenvorsteher/ keine Kirchenvorsteherin sein. Wer eine geistliche Verantwortung für eine Gemeinde wahrnehmen möchte, muss bereit sein, aktiv in und mit ihr zu leben.

  13. Ich plädiere dafür, in diesem Artikel deutlich festzustellen, dass der Pastor oder die Pastorin einer Kirchengemeinde kein/e Mitarbeiter/in der Kirchengemeinde ist. Dann kann sich nicht mehr so schnell wiederholen, was sich in einer Kirchengemeinde unserer Landeskirche in den Jahren 2014 und 2015 zugetragen hat. Dort hat eine Kirchenvorsteherin im Jahr 2014 ihren Rücktritt aus den Kirchenvorstand damit begründet, dass sie für ihren Pastor keine Verantwortung mehr übernehmen kann und der Kirchenvorstand zwang diesen Pastor im Jahr 2015 durch die Androhung eines Ungedeihlichkeitsverfahrens dazu, die Gemeinde zu verlassen.
    Eine entsprechende klare Verhältnisbestimmung zwischen Pastor/in und Kirchenvorstand würde m.E. die Chancen auf eine erfolgreiche Gewinnung theologischen Nachwuchses erhöhen.

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  14. Soll ein Kirchenvorstand ohne Mitwirkung des Pfarramtes ehrenamtlich Mitarbeitende beauftragen können?

    Antworten
  15. Soll ein Kirchenvorstand auch den Pastor/ die Pastorin seiner Kirchengemeinde anstellen und Dienstaufsicht über sie führen können?

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