(1) Die Kirchengemeinde ist eine rechtlich verfasste Gemeinschaft von Mitgliedern der Kirche. Sie nimmt in ihrem Bereich den Auftrag der Kirche in eigener Verantwortung wahr. Sie wendet sich in Wort und Tat allen Menschen zu. Sie kann als Ortsgemeinde oder als Personalgemeinde gebildet werden.

(2)  Die Ortsgemeinde ist der Zusammenschluss von Mitgliedern der Kirche in einem räumlich bestimmten Bereich. Der Personalgemeinde ordnen sich Mitglieder der Kirche nach anderen Kriterien als dem Wohnort zu, insbesondere nach geistlichem Profil, nach besonderen lebensweltlichen Bezügen oder in Anbindung an eine diakonische oder andere Einrichtung. Für Personalgemeinden können durch Kirchengesetz Regelungen getroffen werden, die von den Artikeln 20 bis 27 abweichen.

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Erläuterungen zu Artikel 17

Artikel 17 enthält die Grundbestimmung über den Auftrag und die verschiedenen Formen der Kirchengemeinde.
Allgemein

Die Formulierungen lehnen sich an Artikel 21 Absatz 2 der Verfassung der EKM an und stellen anders als Artikel 23 der bisherigen Verfassung heraus, dass jede Kirchengemeinde ihre Aufgaben in ihrem Bereich eigenverantwortlich wahrnimmt (Absatz 1 Satz 2). Damit knüpft Artikel 17 an die allgemeinen Aussagen über das Selbstbestimmungsrecht kirchlicher Körperschaften in Artikel 14 Absatz 2 an. Die Kirchengemeinde ist also nicht eine „Filiale“ der Gesamtkirche, sondern eine eigenständige Körperschaft mit eigener Gestaltungsfreiheit und -verantwortung. Dabei ist sie allerdings an das kirchliche Recht sowie an die Vorgaben der Landeskirche und des Kirchenkreises gebunden und auf die Zeugnis- und Dienstgemeinschaft aller Formen kirchlichen Lebens (Artikel 3 Absatz 4) gewiesen.

Artikel 17 greift auf Artikel 3 zurück und stellt klar, dass die Kirchengemeinde Teil einer Vielfalt der Formen kirchlichen und gemeindlichen Lebens ist, die unterschiedliche Zugänge zum Glauben eröffnen (Artikel 3 Absatz 1). Absatz 1 Satz 1 definiert die Kirchengemeinde in diesem Zusammenhang als eine der Formen, in denen kirchliches Leben rechtliche Gestalt gewinnt (Artikel 3 Absatz 2).

Absatz 1

Satz 3 betont den Öffentlichkeitsauftrag der Kirchengemeinde. Gemäß dem Auftrag des Evangeliums wendet sich die Kirchengemeinde allen Menschen in ihrem Bereich zu, nicht nur den Mitgliedern der Kirche. Dahinter steht die Sendung durch Jesus Christus „in die Welt“, wie sie auch Artikel 10 mit seinen Aussagen über die „Einladende Kirche“ zugrunde liegt. Generell stehen gemeindliche und diakonische Angebote der Kirchengemeinde allen Menschen offen. Alle Menschen sind zum Glauben und ggf. zur Taufe eingeladen. Nicht ausgeschlossen ist mit diesem Satz, dass bestimmte Angebote an die Taufe bzw. die Mitgliedschaft in der Landeskirche gebunden sind. Das gilt etwa für die Möglichkeit der Patenschaft, für kirchliche Amtshandlungen oder für das aktive und passive Wahlrecht.

Wie schon die bisherige Verfassung (Artikel 23) stellt Absatz 1 Satz 4 klar, dass die Kirchengemeinde als Orts- oder Personalgemeinde gebildet werden kann. Anders als bisher werden beide Möglichkeiten jetzt jedoch bewusst als gleichberechtigt aufgeführt. Das entspricht dem Ziel der Verfassung, durch eine Förderung der Vielfalt in den Formen kirchlichen Lebens unterschiedliche Zugänge zum Glauben zu eröffnen. Auch andere neuere Kirchenverfassungen gehen in diese Richtung, etwa Artikel 21 Absatz 1 der EKM oder Artikel 21 der Nordkirche.

Absatz 2

Absatz 2 beschreibt die unterschiedlichen Profile von Orts- und Personalgemeinde. Die Ortsgemeinde, die nach wie vor den Regelfall darstellt, wird durch den Wohnsitz bestimmt. Mit dem Wohnsitz ist für lutherische Kirchenmitglieder an einem Ort im Bereich der Landeskirche automatisch die Mitgliedschaft in einer bestimmten Kirchengemeinde verbunden, sofern nicht die Mitgliedschaft in einer anderen Kirchengemeinde gemäß Artikel 7 Absatz 4 gewählt wird. Da die Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde in der Regel nicht durch bewusste Wahl entsteht, ist der Ausdruck „Zusammenschluss“ gewählt.

Durch die Möglichkeit der Umpfarrung in eine andere Parochialgemeinde, die auch aus inhaltlichen Gründen – etwa wegen eines besonderen geistlichen Profils – erfolgen kann, sind die Grenzen zwischen Orts- und Personalgemeinde fließend. Die Basis einer Ortsgemeinde mit besonderem Profil bleibt jedoch immer noch das Parochialprinzip, auch wenn sie zusätzlich Züge einer Personalgemeinde annimmt.

Rechtlich verfasste Personalgemeinden, die völlig unabhängig vom Wohnortprinzip sind, gibt es bisher noch relativ selten, könnten in Zukunft aber an Bedeutung gewinnen. Die Verfassung bietet dafür jetzt eine gleichberechtigte Öffnung an. Als Beispiele genannt werden Kirchengemeinden mit einem besonderen geistlichen Profil, also etwa mit einer besonderen missionarischen oder spirituellen Ausrichtung. Auch Gemeinschaften im Bereich der Landeskirchlichen Gemeinschaften könnten – sofern dies von den Gemeinschaftsverbänden gewünscht wird – in Zukunft den Charakter von Personalgemeinden erhalten. Möglich ist die Bildung einer Personalgemeinde darüber hinaus nach bestimmten lebensweltlichen Bezügen, etwa bei einer Hochschulgemeinde, aber auch bei einer Gemeinde besonders unter Migrantinnen und Migranten. Einen Sonderfall solcher lebensweltlichen Bezüge bilden Kirchengemeinden, die „an eine diakonische oder andere Einrichtung“ angebunden sind. Denkbar sind also z. B. auch Kirchengemeinden, die an ein Kloster oder an eine kirchliche Bildungseinrichtung angebunden sind. Dieses Kriterium eröffnet darüber hinaus den bisherigen Anstaltsgemeinden (dieser Ausdruck entfällt) die Möglichkeit, sich als Personalgemeinden zu konstituieren und den Kreis ihrer Mitglieder z. B. um Freunde und Förderer der Einrichtung oder im Rahmen einer Quartiersentwicklung um Kirchenmitglieder in der räumlichen Umgebung einer Einrichtung zu erweitern. Ob der kirchliche Dienst an einer diakonischen Einrichtung die Form einer Personal-Kirchengemeinde haben soll oder nicht, kann durch die dort Verantwortlichen entschieden werden.

Wegen des besonderen Profils einer Personalgemeinde können Abweichungen von der normalen Organstruktur einer Kirchengemeinde erforderlich werden, die sich naturgemäß am Regelfall der Ortsgemeinde orientiert. Absatz 2 Satz 3 eröffnet die Möglichkeit, im Rahmen der Kirchengemeindeordnung oder eines anderen Kirchengesetzes entsprechende Regelungen zu treffen. Dort ließen sich dann auch Fragen der Finanzierung, der Aufsicht und der weiteren Einbindung in die kirchlichen Strukturen regeln.


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16 Kommentare

  1. Für die diakonischen Unternehmen DIAKOVERE und Dachstiftung Diakonie begrüßen wir die in Artikel 17 dargelegte Bestimmung einer Kirchengemeinde als Orts- oder als Personalgemeinde. Lediglich der Begriff „Personalgemeinde“ sollte aus unserer Sicht noch überdacht werden: Auch Ortgemeinden sind Personalgemeinden, auch wenn das Kriterium der Zuordnung sich unterscheidet. So könnten andere Gemeindeformen besser unmittelbar nach dem Kriterium der Zuordnung benannt werden: Diakoniegemeinde, Schulgemeinde oder zusammengefasst: Profilgemeinden.
    Der an dieser Stelle im Entwurf angebotene Verfassungsrahmen wird dem breit aufgestellten gemeindlichen Leben in diakonischen Unternehmen gerecht. Unser diakoniegemeindliches Profil wird sichtbar im gottesdienstlichen Miteinander von Beschäftigten und BewohnerInnen, BesucherInnen und Freunden und Förderern, bislang oft als Anstaltsgemeinden organisiert. Seelsorge und evangelische Unterweisung als integraler Bestandteil der diakonischen Dienstleistung wird von PastorInnen und DiakonInnen der Landeskirche verantwortet, und die Beteiligung an den gemeinsamen Aufgaben der Kirche in Diakonie und Mission gehört zum Grundverständnis unserer Arbeit.
    Artikel 17 bietet die gute Voraussetzung, dazu eine angemessene, moderne Organstruktur zu entwickeln. Die Gemeinden in und durch diakonische Unternehmen würden in ihrer Gestaltungsfreiheit und –verantwortung durch die rechtlich verfasste Gemeinschaft ihrer Mitglieder gestärkt. Die Ausbildung einer breiten Beteiligungsstruktur und -kultur, etwa in Versammlungen und Gemeinderäten, im Gegenüber zu den im Unternehmen tätigen PastorInnen und DiakonInnen wäre beispielhaft für die modernen Anforderungen an die Konzeption eines agilen Unternehmens, der sich diakonische Komplexeinrichtungen verpflichtet sehen.
    Unsere sozialräumliche Strukturierung und der integrative Anspruch unserer Arbeit und Angebote (vgl. auch Art. 7 (5) und Art. 10) empfehlen eine Doppelmitgliedschaft in Orts- und Profilgemeinde. Damit wäre auch an den dezentralen Standorten der Diakoniegemeinden eine enge Vernetzung mit den Ortskirchengemeinden gegeben, um der Zeugnis- und Dienstgemeinschaft aller Formen kirchlichen Lebens einen tragfähigen Rahmen zu geben.
    Lesen Sie gerne auch unseren Beitrag zu Artikel 14 und 15

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    • Der Begriff „Personalgemeinde“ ist offenbar für nicht wenige Leser irritierend. Wie wäre es mit der Bezeichnung „Gemeinde an besonderem Ort oder mit besonderem Profil“? Das klingt etwas komplizierter, nimmt aber die Begriffe auf, die in den Erläuterungen vorkommen.

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  2. Artikel 17 bedeutet in dieser Fassung, das Parochialprinzip aufzugeben. Damit wird die seit der Christianisierung in unserem Land geltende Organisationsstruktur der Kirche in Frage gestellt. Das ist nicht nur bedrohlich für die (Orts)Kirchengemeinden, sondern stellt in letzter Konsequenz auch eine ebenso räumlich definierte Institution (oder auch Organisation) wie die Landeskirche selbst in Frage.
    Schon jetzt erleben die Ortsgemeinden sich in der Verteilung der kirchlichen Mittel als benachteiligt. Ihre Form in der Verfassung als beliebig zu erklären, wird sie in kommenden Ressourcenauseinandersetzungen schwächen.
    Unsere Kirche sollte in ihrer Verfassung mit ihrer Basis und Grunderscheinungsform achtsamer umgehen. Kirchengemeinden bestanden nicht nur historisch, sondern bestehen noch immer vor der Landeskirche. Sie sind der Ort wo Verkündigung und Sakramentsausteilung zwischen Menschen konkret wird.

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    • In Deutschland hat es, so lange man zurückdenken kann, immer das Parochialprinzip gegeben. Weltweit gesehen ist das aber nicht der Normalfall, sondern die Ausnahme. Und man kann außerhalb von Deutschland sehen, wie Gemeindeleben beeindruckend gestaltet werden kann,das nicht nach dem Parochialprinzip organisiert wird.
      Außerdem ist es in Deutschland immer weniger selbstverständlich, Mitglied in einer Kirche zu sein. Im Blick auf die Zukunft ist es daher aus meiner Sicht klug, Raum für alternative Modelle von Gemeindeorganisation zu schaffen.

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  3. Ob der Begriff „Personalgemeinde“ schon die beste mögliche Bezeichnung für eine Gemeinde ist, die nicht als „Ortsgemeinde“ organisiert wird, bleibt für mich auch eine offene Frage. Aber die Möglichkeit von alternativen Gemeindeformen in der Landeskirche vorzusehen halte ich für dringend notwendig. Wenn eine Landeskirche für alle offen sein will und „unterschiedliche Zugänge zum Glauben“ (Artikel 3) ausdrücklich bejaht werden, ist es doch nur konsequent, auch unterschiedliche Gemeindeformen zu ermöglichen. Die anglikanische Kirche, die im Blick auf Mitgliederschwund und Relevanzverlust ähnlich wie die Mitgliedskirchen der EKD herausgefordert ist, macht seit vielen Jahren mit den „fresh expressions of church“ ausgesprochen gute Erfahrungen. Dort werden Menschen angesprochen, die mit den traditionellen Gemeindeformen schon lange nicht mehr erreicht worden sind. Gruppierungen mit innovativen Ideen und besonders Gruppen von christlichen Migrantinnen und Migranten werden sich entweder in alternativen Gemeindeformen in der Landeskirche organisieren oder aber ihren Patz neben der verfassten Kirche oder im freikirchlichen Bereich finden.

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  4. All denen möchte ich mich anschließen, die vor allem die offenbar gewollte rechtliche Gleichsetzung von Ortsgemeinden und sog. Personalgemeinden heftig kritisieren. In diesem Artikel der vorgeschlagenen Verfassung und an anderen Stellen. Abgesehen davon, dass diese Absicht mE dem Geist und den Formulierungen unserer lutherischen Bekenntnisschriften (übrigens auch dem Geist des Barmer Bekenntnisses!) eklatant widersprechen, geht diese Absicht auch an der von den Kirchenmitgliedern weitestgehend und überwiegend mehrheitlich gewünschten Form von Kirche vorbei. Da wird in den Mitgliedschaftsstudien ebenso wie in allen relevanten Gesprächen die Stärkung der Ortsgemeinde gefordert, das weitere Abziehen von Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakonen (etwa zugunsten des Einsatzes in sog. Personalgemeinden) heftig kritisiert und die Zukunft unserer Kirche in der ortsnahen Verbundenheit und der Stärkung der Basis gesehen und bekräftigt. Gleichzeitig gibt es für diejenigen Formen, auf die man von den Befürwortern von Personalgemeinden immer hingewiesen wird, bereits aktuell rechtlich klare Regelungen zu Finanzen und anderen Fragen. Diese brauchen nicht neu gefaßt zu werden, erst recht nicht mit dem Hinweis darauf, dass kirchliches Leben vielfältig ist und sich unterschiedlich entwickeln kann. Das ist geradzu eine Plattitüde. Es ist vielemehr daran festzuhalten, dass die Ortsgemeinden die verfaßte Basis des kirchlichen Lebens bleiben und in rechtlicher Hinsicht sog. Personalgemeinden (der Ausdruck ist völlig irreführend!) nachgeordnet bleiben müssen. Das schließt deren Existenz und Existenzberedchtigung ausdrücklich ein!
    Im Übrigen schließe ich mich in allen Punkten, die die weitere Verlagerung von Kompetenzen und Entscheidungsbefugnissen weg von der Basis (Pfarramt und Kirchenvorstand) hin zur sog. „mittleren Ebene“ (Kirchenkreis) kritisieren, vor allem der ausgezeichneten Stellungnahme des Kirchenkreises Osnabrück an.
    Hier wird mE differenziert dargelegt, wie die gewollten Verschiebungen von den Vertretern des Verfassungsentwurfs an vielen Stellen sichtbar werden und die Absicht deutlich. Man sollte in den Fragen von Regionalisierung, Zusammenlegung etc. auch das einmal wahrnehmen, was in anderen Landfeskirchen inzwischen zu deutlicher Veränderung und zur kräftigen Stzärkung der Ortsgemeinden angedacht und umgesetzt wird (Bsp. unsere sächsische Partnerkirche; oder in Ansätzen auch die ev.ref. Kirche Nordwestdeutschlands).

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  5. Artikel 17 erkennt an, dass gesellschaftliches sowie kirchliches Leben sich plural vollzieht. Gerade die Pluralität des kirchlichen Lebens kann helfen, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Hinsichtlich des Verhältnisses von Ortsgemeinde und Personalgemeinde stellen sich aber weitreichende Fragen:
    – Nach welchen Kriterien werden Orts- und Personalgemeinden finanziert? Wird bei Personalgemeinden für hauptamtliches Personal der gleiche Berechnungsschlüssel angewendet?
    – Erwächst daraus nicht ein Konfliktpotential zwischen Orts- und Personalgemeinde hinsichtlich der Notwendigkeit, den Wert kirchlichen Handelns zu beziffern? Sinkende finanzielle und personelle Ressourcen verstärken den Konflikt.
    – Übernehmen Personalgemeinden sämtliche Pflichten, die auch Ortsgemeinden zu erfüllen haben?

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    • Volle Unterstützung! Sie haben das, was ich unten formulierte, noch mal kultivierter gesagt. Wir haben darüber gestern im Kirchenvorstand gesprochen. Nicht dass wir irgendwas gegen moderne Formen, zusammenarbeit, Kooperation, Flexibilität hätten. Im Gegentei! Aber ob dieses Werkzeug dafür geeignet ist, ist doch eher unwahrscheinlich. Eins ist klar: wer glaubt, er könne Personalgemeinden zu Lasten von Ortsgemeinden finanzieren, ist auf dem Holzweg. Wir können jetzt nur noch deswegen arbeiten und unsere Verpflichtungen erfüllen, weil wir erhebliche Mittel aus Spenden, Vermietungen, Buchladen etc, in den Haushalt einspeisen. Die Grenze, an der wir sagen müssen, es geht beim besten Willen nicht mehr, ist am Horizont sichtbar.

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  6. Völlig unausgegoren. Auf Fragen nach Personalgemeinden kriege ich die seltsamsten Antworten. Kaum eine klar definierte. Und was bedeutet das für die Ortsgemeinden? Die dürfen alte und zu große Kirchenbauten bei sinkenden Zuweisungen unterhalten? Die dürfen die gesamte Infrastruktur mit sinkenden Personal- und Sachmitteln betreuen? Wir erleben schon jetzt oft genug, dass funktionierende Strukturen kaputtgespart werden, mit großem Tamtam Projekte und Projektstellen errichtet werden, die dann auf einmal wieder weg sind. Und meistens gibt es noch nicht einmal eine Evaluation. Auch keine öffentliche Diskussion. Und niemand übernimmt die Verantwortung, wenn solche „Projekte“ in die Hose gegangen sind.
    Ein völlig unausgegorener Artikel. Die Reaktionen vieler anderer Kommentatoren hier kann ich nur unterstützen. Dirks, Woltmann u.a.

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  7. Welche rechtlichen Konsequenzen erwachsen daraus, dass Personalgemeinden offensichtlich der Ortsgemeinde gleichgeordnet werden sollen? Werden sie z.B. Anspruch haben auf Pfarrstellenanteile? Welche Bedingungen müssen Personalgemeinden erfüllen, um als solche anerkannt zu werden? Das alles bleibt sehr unklar. Eine Schwächung der Ortsgemeinden ist meiner Ansicht nach kein guter Weg in die Zukunft.
    Diesen scheint die Verfassung jedoch insgesamt zu verfolgen, zumal auch die Ebene der Kirchenkreise gegenüber den Ortsgemeinden aufgewertet zu werden scheint.

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    • Volle Zustimmung!

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  8. In Abs. 1 Satz gehört für mich der bestimmte Artikel: „Die Kirchengemeinde ist die rechtlich verfasste Gemeinschaft…“
    Die Zuordnung von Orts- und Personalgemeinde ist mir völlig schleierhaft. Sowohl der Begriff an sich ist schon immer, wie schon in einem Vorkommentar erwähnt, mißverständlich. In der Tat ist im städtischen Bereich – hier: in Hildesheim – das gemeinte Phänomen weit verbreitet. Aber was soll Absatz 2 leisten und welche Konsequenzen hat das? Eine eigene Mitgliederkartei? Ein eigenes Pfarramt? Die Personalgemeinde – wie ich sie verstehe und wahrnehmen – ist ja nicht wirklich organistorisch greifbar, sondern ist für mich eher ein heuristischer Begriff wenn ich mir z.B. die typische Sonntagsgottesdienstgemeinde anschaue. Manche von diesen Christen sind umgepfarrt, andere aber auch nicht, sondern weiterhin Glieder ihrer benachbarten Ortskirchengemeinde, deren anderweitige Angebote sie wahrnehmen. Verfassungsrang kommt diesem Phänomen „Personalgemeinde“ nicht zu.

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  9. Die Personalgemeinde wird durch die neue Verfassung erheblich gestärkt. Es könnte dazu führen, dass unzufriedene Glieder einer Ortsgemeinde im selben Gebiet eine Personalgemeinde gründen. Ist das gewollt?
    In urbanen Gebiet mag die Ortsgemeinden nicht mehr eine große Rolle spielen. In Ostfriesland hat die Ortsgemeinde aber noch einen hohen Stellenwert, den man nicht leichtfertig aufgeben sollte.

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  10. Die Ortsgemeinde sollte der zentrale Ort sein und bleiben, wo Kirche tatsächlich stattfindet. Eine gelesene Vortragsäußerung zur alten Verfassung von 1965, „wo man das Kirchenvolk in seinen Schranken“ einhegte, legt doch offen, woher der Wind einstmals wehte. Eine aufgeklärte Generation von Pastoren lebt das schon lange nicht mehr, trotzdem ist in der landeskirchlichen Führung die Organisation der Bürokratie, und diesem Wort steckt „Herrschaft“, immer noch das Leitbild einer von oben gestalteten Machtstruktur. Die Landeskirche hat aus Sicht dieses Laien den Auftrag, das Lehramt zu bewahren und Organisationen bereitzustellen mit haushälterischen Begleitungen, die dem inzwischen ganz anderen Selbstverständnis von Kirchenvorständen gerecht wird. Die Thematik einer „Personalgemeinde“ erscheint da völlig abseitig und eine Gleichrangigkeit hier im Entwurf des § 17 übersieht, mit welchen alltäglichen Sorgen eine Ortsgemeinde zu tun hat.

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  11. Der Begriff „Personalgemeinde“ ist sehr unglücklich, es geht nicht um Personal, sondern um Personen. Die Gemeinde versammelt sich nicht um „das Personal“, sondern hat eine bestimmte Prägung, Aufgabe oder ähnliches. Mit dem Begriff Personalgemeinde wird dieses nicht erläutert, dieser bildet auch keinen hinreichenden Unterschied zum Begriff „Ortsgemeinde“, denn auch dort versammeln sich ja Personen..

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  12. Ist dann auch die gleichzeitige Mitgliedschaft in einer Orts- und einer Personalgemeinde möglich?

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